Motorrollleidenschaften

Ich bin euch geduldigen Lesern ja noch eine Etappe meiner laotischen Rundreise schuldig geblieben, das hat in meinen vorletzten Beitrag nicht mehr hineingepasst. Aber jetzt passt es. Ihr dürft also noch einmal kurz vergessen, dass ich eigentlich schon lange in Thailand bin, und mit euren laosinteressierten Ohren und Augen genau lauschen und gucken.

Wir hatten uns von Luang Prabang aus aufgemacht in die Partystadt Vang Vieng, wo von einem (natürlich nicht namentlich genannten) Reisegruppenmitglied recht schnell potenzielle Drogenquellen und von ein paar anderen Reisegruppenmitgliedern umgehend potenzielle Partygelegenheiten identifiziert wurden. Aber keine Angst, von Drogen und Alkohol habe ich mich diesmal weitestgehend ferngehalten. Ich wollte ja nicht, dass die Trollmama auf der Weiterreise ihren betrunkenen oder bekifften Reisetroll irgendwo vergisst und ich mich dann alleine weiter durch dieses Laos schlagen muss.

Vermutlich auch deswegen hat bei unserem Besuch in Vang Vieng dann doch die wunderschöne Naturumgebung am meisten Eindruck bei mir hinterlassen. Am tollsten fand ich die Höhle vom Herrn Buddha. Der hat sich da einfach reingelegt und geschlafen, hat sich von uns Touristen gar nicht weiter stören lassen. Und auch nicht von dem großen Loch in der Höhlenwand, durch das ihm die ganze Zeit die Sonne auf den Kopf gefallen ist.

Wir haben uns dann am schlafenden Herrn Buddha auf leisen Troll- und Menschenzehen vorbeigeschlichen und auch noch die dunkleren Teile der Höhle erkundet. Dabei haben wir sogar das Badezimmer vom Herrn Buddha entdeckt.

Und am Ende waren wir auch noch in seinem Garten, unten am Berg, in dem der Herr Buddha oben drin lag. Uiuiuih, da hätte ich auch durchaus noch länger bleiben können. Aber ich habe es nicht übers Herz gebracht, die Trollmama alleine mit ihrer Reisegruppe weiterziehen zu lassen. Ich bin nach langem Überlegen dann doch wieder in ihre Tasche gehüpft.

In Vang Vieng haben wir schließlich auch einen Teil unserer Bootsreisegruppe verloren (nein, keine Alkohol-, Party- oder Drogentoten – lediglich andere Weiterreisewege) und sind schließlich mit Christoph, Mariola und Marcelo in Richtung Tha Khaek aufgebrochen, um dort gemeinsam ein Motorrollabenteuer zu starten.

In unserem Bus dorthin waren wir übrigens äußerst sicher, der hat nämlich glaube ich dem Herrn Buddha persönlich gehört. Warum hätten die auch sonst ihre Buddhageschenke direkt drangesteckt? Drinnen war er aber diesmal nicht, der Herr Buddha. Der hat wohl weiter in seiner Höhle geschlafen.

Angekommen in Tha Khaek haben wir erst einmal in einem gruseligen Hostel mit riesigen Geckos an der Wand geschlafen (gucke in laotischen Hostels niemals hinter die Bilder!) und uns dann am nächsten Tag früh aufgemacht um uns fahrbare Untersätze zu organisieren. Hat funktioniert.

Der Herr Wang hat uns freundlicherweise für eine kleine Geldspende ein paar zur Verfügung gestellt und auch gleich noch eine Karte für die Orientierung in den nächsten drei Tagen. Wir haben den Herrn Wang zum einen gewählt, weil er keine ganz so große Geldspende wollte, und zum anderen, weil wir gehört haben, dass er kleine Kratzer an einem Motorrollgerät nicht ganz so ernst nimmt und uns auch nicht nach unseren Fahrkünsten auf selbigen gefragt hat, bevor er uns welche gegeben hat. Hihihi… Um es aber vorwegzunehmen: Die Fahrkünste von der Trollmama und mir waren auf dem ganzen Weg sehr wunderbar und wir haben dem Herrn Wang auch keinen einzigen Kratzer in sein Gefährt gemacht. Und uns in unsere Haut auch nicht.

Nach erfolgreicher Motorrollgerätbeschaffung noch eine letzte Stärkung am Fluss… und los gings!

Unser erster Stopp auf der Strecke war wieder eine Höhle, diesmal aber nicht nur mit einem Buddha drin, sondern gleich mit hunderten. Die Höhle heißt Tham Pa Fa und wurde im Jahr 2004 von einem Einheimischen ganz zufällig beim Jagen entdeckt. Innen drin waren zu seinem Erstaunen 229 bis zu 300 Jahre alte Buddhastatuen aus diversen Materialien wie Stein, Silber und Blei.

Hört sich ganz schön spannend an, oder?

Man muss dazu sagen, dass die Bewohner des Dorfes unter der Höhle Tham Pa Fa die Vermarktung und Erhaltung ihrer Höhle als ihre persönliche Aufgabe ansehen und Tham Pa Fa auch die Haupteinnahmequelle der Dorfbewohner darzustellen scheint. Offensichtlich lassen sich selbige auch nicht lumpen und stecken jede Menge Arbeit in ihre Buddhahöhle, wodurch sie mittlerweile relativ bunt und glitzerig daherkommt. Man findet in der Höhle Teppichboden und Verkaufsstände für Buddhaopfergaben sowie einige rumsitzende, arbeitende oder schlafende Dorfbewohner. Und die Höhle ist nicht groß. Innen drin darf man auch keine Fotos machen, deswegen hier nur ein Schnappschuss vom Eingang aus. Da kann man die komplette Pracht der Tham Pa Fa Höhle leider nur erahnen.

Auf dem weiteren Weg sind wir, kurz bevor sich die Sonne verabschiedet hat, noch an wundersamen Feenseen mit abgestorbenen Bäumen darin vorbeigekommen. Ganz schön gruselig. Aber auch ganz schön schön.

Am Ende unseres ersten Tages auf dem Motorrollgerät haben wir schließlich recht zufällig eine Familie gefunden, die uns für die Nacht in ihrem frisch eröffneten Homestay schlafen hat lassen. Wie wir später erfahren haben, waren wir die ersten Gäste.

Bei Tageslicht sah das da so aus.

Zur abendlichen Unterhaltung gab es Lagerfeuer und Laolaoschnaps vom Hauspapa und zur weiteren Belustigung einen Vogel, der Motorrollgeräusche nachmachen konnte,…

Zur abendlichen Bewirtung gab es ein nettes kleines Restaurant mit Bier und Kaffee und gutem Essen…

… und zum Frühstück Omelett und Reis auf einem Teppich im Garten.

Besser geht das wohl kaum. Wahrscheinlich eine der nettesten und unterhaltsamsten Übernachtungen auf meiner ganzen Reise. Nach dem Frühstück haben wir uns dann wieder auf unsere fahrbaren Untersätze geschwungen. Brumm brumm.

Es war gar nicht so weit bis zur nächsten Attraktion: Weitere Seen mit toten Bäumen…

… und mit toten Fischen. Ob die wohl was mit den toten Bäumen zu tun haben?

Oder vielleicht eher mit diesen Fischerbooten? Meine Laotischkenntnisse haben nicht ausgereicht um zu fragen, ob sie die Fische schon tot aus dem See geholt haben.

Aber was ich gelernt habe, ist, dass sie nur die großen Fische schließlich auch aus dem Boot holen. Den kleinen hier wollten sie nicht, der ist drin geblieben. Bin froh, dass ich kein Fisch bin. Den See habe ich auch vorsichtshalber gar nicht erst betreten.

Ein bisschen weiter konnten wir die toten Bäume auch nochmal in schöner sehen. Keine toten Fische in Sichtweite diesmal.

Gegen Ende unseres zweiten Tages haben wir dann auch nochmal ein lebendigeres Gewässer gefunden. Eine kleine blaue Lagune, schön zum auf den Steinen rumklettern und auch schön zum Motorrollstaub abwaschen.

Ein paar sehr lebendige Fische konnte man hier auch bestaunen.

Tag zwei war nach langer Fahrt, das Ende im Dunkeln auf schlechter Straße, neben einer weiteren Höhle zu Ende, die wir uns am nächsten Morgen vor der Rückfahrt nach Tha Khaek noch angucken wollten. Die Khongor Höhle, die man nur mit dem Boot befahren kann. Also, ab ins Bett und früh den Wecker gestellt.

Die Khongor Höhle war am Ende gar nicht so spektakulär, eher eine nette Bootsfahrt im Halbdunkel. Und ein paar beleuchtete Tropfsteine gabs auch. Mir persönlich gefallen aber Höhlen mit dem Herrn Buddha drin besser. Da glitzerts dann wenigstens ein bisschen.

Nach der Höhle gings wieder rauf auf unsere Motorrollgefährte und schnell wie der Wind die 200 Kilometer zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Vorbei an laotischen und kommunistischen Fahnen …

… und noch so mancher schönen Berglandschaft.

Geendet hat unsere Motorrolltour schließlich wieder in Tha Khaek, an der Grenze zu Thailand. Letzteres haben wir uns dann gleich im Sonnenuntergangslicht über den Mekong hinüber angeschaut, weil da wollten wir ja am nächsten Tag hin. Nach Thailand. Auf die letzte Etappe unserer langen Reise.

Anton Motorrolltroll

 

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