Loi Krathong

Vergangene Woche gab es hier in Chiang Mai ein großes Leuchtefest.

Chiang Mai, das ist die Stadt in Thailand, in der ich mit meiner Trollmama vor mittlerweile zwei Wochen gestrandet bin und in der die Trollmama diese lustigen Verrenkungen und das Menschen mit den Daumen Pieksen lernt, das sie „Thaimassage“ nennt. Auch das ist sehr interessant anzugucken, aber eigentlich will ich euch lieber etwas über das Leuchtefest erzählen. Das guckt sich nämlich noch ein bisschen schöner an als das Thaimassieren.

Loi Krathong nennen die kleinen Thailänder dieses Fest und schon ein paar Tage vorher ist die ganze Stadt ganz aufgeregt. Loi bedeutet schwimmen oder schweben und ein Krathong ist ein kleines Boot mit einer Kerze und Räucherstäbchen drauf. Das Boot kann man dann angezündet (natürlich nur an den Spitzen der Kerzen und Räucherstäbchen) in einen Fluss setzen und dann schwimmt es weg und mit ihm aller Ärger und aller Trollgroll und alle dunklen Seelenflecken. Wir haben das aber am Anfang nicht richtig verstanden und haben auf unsere Krathongs auch noch Wünsche gepackt. Hoffentlich sind sie mit dem zusätzlichen Wunschgewicht nicht untergegangen.

In der Thaimassageschule von der Trollmama haben wir an den Tagen vor dem Fest in der Mittagspause genau solche Krathong-Boote gebastelt, aus Bananenblättern und Blumen, die man an eine Holzscheibe rantackert. Zum Glück war ich an diesen Tagen als Besuch dabei und konnte mich ein bisschen nützlich machen.

Die fertigen Boote sahen dann so aus:

Oder so. Die hier unten haben wir aber gekauft, die Trollmama und ich. Also, ehrlich gesagt hat die Trollmama sie bezahlt.

Abends haben wir schließlich alle drei Krathongs, das gebastelte und die zwei gekauften, ins Wasser gesetzt und sie mit ihrer Ladung aus Wünschen und Seelenflecken schwimmen gelassen. Soweit ich sie noch sehen konnte, sind sie auch tatsächlich an der Oberfläche geblieben. Gut, dass ich einen relativ leichten Wunsch drauf gesetzt habe.

Außer dem Boote schwimmen lassen gab es aber in Chiang Mai noch ein paar andere Rituale zu Loi Krathong. Zum einen gab es überall Laternen und alles war schön verziert, vor allem die Klöster und Tempel (und davon gibt es hier in Chiang Mai einige, das kann ich euch sagen!). Zum anderen habe ich diverse glitzernde Paraden durch die Stadt ziehen sehen und viele Mönche beobachtet, die rumgelaufen und rumgestanden sind, um Spenden von den feiernden Menschen entgegen zu nehmen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das allermagischte an dem Loi Krathong Fest war die Laternennacht. Die Laternen machen im Prinzip das gleiche wie die Krathongboote. Sie nehmen die dunklen Seelenflecken mit in den Himmel. Diesmal war ich auch vorsichtig und habe keinen Wunsch mit drauf geladen. Nicht, dass am Ende alles wieder auf mich herunterfällt, habe ich mir gedacht.

Ich kann euch sagen, an diesem Abend waren einige dunkle Seelenflecken unterwegs. Ich bin mir nicht ganz sicher, was mit denen passiert, wenn die Laternenfeuer ausgehen und die Papierleichen wieder Richtung Erde segeln. Möglicherweise ist das Ganze nämlich einfach nur ein großer Seelenfleckenaustausch. Vielleicht habe ich jetzt die von der Trollmama und sie hat meine. Oder wir haben alle beide neue thailändische Seelenflecken. Hoffentlich nur ein paar kleine, von den thailändischen Mönchen. Hmm… und vielleicht hat der Herr Buddha auf dem Bild schon bald meine Seelenflecken? Naja, die Mönche in dem Kloster werden es schon merken, wenn er sich auch einmal seltsam benimmt und anfängt ihnen kleine Streiche zu spielen. Hihi.

Ach ja, das Ganze findet übrigens bei Vollmond statt. Ich vermute, damit man schönere Bilder mit Mond machen kann.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier seht ihr, wie ich meine Seelenflecken in die Luft schicke. Weil die Laterne mich beinahe mit kompletter Seele und dazu gehörigem Trollkörper mit in die Luft genommen hätte, habe ich mir ein paar Hilfshände besorgt.

Da fliegen sie, meine Seelenflecken…

Und ich bin einen Moment lang wieder ganz frei. Zumindest so lange, bis die Flecken aus einer dieser vielen Laternen auf meinem Kopf landen und sich neu auf meiner Seele niederlassen.

Vielleicht ist aber beim Leuchtefest tatsächlich keine Laterne über mir ausgegangen. Seit dem Fest letzte Woche ist nämlich kein einziger meiner schlechten, trollischen Charakterzüge zu mir zurückgekehrt und ich habe auch noch keine neuen, fleckenhaften Eigenschaften an mir entdecken können. Ich bin ausgeglichen wie nie, verspüre keinen Neid mehr auf andere Menschen und Trolle, wenn sie von tollen Reiseerlebnissen erzählen, und lasse mich durch nichts, aber auch gar nichts, stressen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur ein paar besonders gute Lügenflecken abgekriegt…

 

Anton Laternentroll

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s