Angkore

Da bin ich wieder. Die Trollmama und ich sind tatsächlich noch einmal ein bisschen schweinsgaloppiert die letzten Tage und haben erneut das Land gewechselt. Aktuell, seit heute Morgen, sind wir in Chiang Mai in Thailand.

Ich kann es aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, euch etwas über Laos oder Thailand zu erzählen, bevor ich nicht etwas über diese unglaublich großen und auch außerordentlich hübschen Steingebilde geschrieben habe, die wir im Norden von Kam Bod Scha gefunden haben.

Angkore hießen die. Es gab ein Angkor Thom und ein Angkor Wat und dann gabs noch ein paar verstreute Tas, wir haben uns für das Ta Nei entschieden. Am Ende waren eigentlich alles alte Steinhaufen, aber irgendwie hat es sich trotzdem sehr besonders angefühlt, zwischen diesen Steinhaufen herumzulaufen und sie von unten bis oben anzugucken. Und da hatten meine kleinen Trollaugen Einiges zu gucken, das sag ich euch!

Angkor heißt übrigens ganz einfach „Stadt“ auf Khmer. Khmer, das ist die Sprache, die die damals in Kam Bod Scha gesprochen haben und heute noch sprechen. Ungefähr so groß wie Städte waren diese Steinansammlungen auch. Das haben die Herren und Frauen Khmer schon ganz richtig benannt.

Weil wir von anderen reisenden Menschen gehört haben, dass es da bei diesen Angkoren besonders schöne Steine und vor allem besonders schön kombinierte Steine gibt, haben wir uns also in der nahen Stadt Siem Reap einen Herren Tuktukfahrer angeheuert, damit der uns dort hinfährt und wir auch mal gucken können, ob uns das gefällt. Selbiges hat der Herr Tuktukfahrer auch bereitwillig gemacht (unterstützt von einem kleinen Geldversprechen unsererseits) und uns um vier Uhr morgens abgeholt, weil er meinte, das wäre eine gute Zeit, um mit dem Besichtigen anzufangen. Erst hab ich das nicht verstanden, weil es um vier Uhr Früh noch ganz schön dunkel war. Und zumindest Trolle tun sich bei Dunkelheit mit dem Besichtigen schwer.

Hier war es tatsächlich schon heller. Aber im Dunkeln konnte ich natürlich auch kein Foto vom Herrn Tuktukfahrer machen.

Aber bald habe auch ich das Ganze verstanden. Weil unser Herr Tuktukfahrer und wir so früh aufgestanden sind, waren die Trollmama und ich pünktlich zum Sonnenaufgang ganz alleine am Aussichtspunkt am See der Wat-Stadt. Weil alle anderen faulen Reisemenschen zu der Zeit noch geschlafen haben. Da konnten wir dann zu zweit die morgendliche Stille genießen – und das mit Ausblick auf das Wasser und die beeindruckenden Tempeltürme, die sich darin gespiegelt haben. Das war schon ganz schön beeindruckend.

Haha, das mit den schlafenden Reisemenschen hat keiner geglaubt, oder? Leider hatten nämlich doch ein paar von denen eine recht ähnliche Idee wie wir. Wie man hier ganz gut sehen kann.

Und die Reisemenschen auf dem Foto wollten danach alle, genauso wie wir, in diesen Wat-Tempel hinein. Ich habe mir in Erwartung eines unangenehmen Nahkampfs schonmal vorsorglich die Ärmel meines Ringelpullis hochgekrempelt und meinen gefährlichen Trollblick aufgesetzt.

Aber Trollblick, Trollfäuste und Trollellbogen habe ich am Ende gar nicht gebraucht. Wir haben nämlich recht schnell nach Betreten des Tempels einen Trick herausgefunden. Der heißt: „rechts abbiegen“ oder wahlweise auch „links abbiegen“. Und auf einmal war kein Tourist mehr zwischen diesen ganzen schönen Steinen zu sehen. Außer natürlich eine Trollmama und ein Reisetroll. Hihi.

So wie hier.

Oder hier.

Oder hier.

Oder hier.

Oder auch hier (es hat sich aber doch einer versteckt, ganz hinten).

Ein paar Einheimische haben wir aber auch hinter den Ecken getroffen. Die meisten waren entweder am Meditieren oder am Kämpfen.

Und ein paar sind auch einfach halbnackt herumgestanden. Vornehmlich Frauen.

Einige sind aber auch bunt angezogen herumgesessen. Das waren wiederum ausschließlich Männer.

Und ein Einheimischer war eine Katze. Ob Herr oder Frau Katze, weiß ich allerdings nicht.

Auf jeden Fall hatten diese Khmer-Menschen in der Vergangenheit ganz offensichtlich das ein oder andere gute Steinmesser zur Hand und haben damit wirklich schöne Muster in ihre Steine geschnitzt.

So einen Khmer-Steinschnitzer hole ich mir auch mal für mein An Ton. Und dann kann ich lauter kleine Anton-Bilder in die Säulen und Wände meiner Stadt hineinschnitzen. Vielleicht auch hin und wieder eine herumstehende Frau.

Ist euch eigentlich beim Namen des zweiten Angkors, das wir uns angeschaut haben, etwas aufgefallen? Mir schon!  An Ton… An Thom… An Gkor Thom… Vielleicht hab ich schon ein passendes Plätzchen für mich gefunden. So sieht es aus. Leider schon wieder voll mit diesen ganzen lästigen Touristen. Die verscheuche ich aber nach der offiziellen Umbenennung.

Für mein Steingesicht auf jedem Gebäude braucht es auch nicht mehr viele Änderungen mit dem Steinmesser. Vielleicht wären ein paar spitze Ohren hier und da angebracht.

Einen Platz für meinen Thron hab ich auch schon..

Und ein Reiseführer, den ich heimlich belauscht habe, hat seinen Touristen erzählt, dass ursprünglich auf all diesen Säulen im Haupttempel von Angkor Thom Vishnus eingeschnitzt waren. Die hat man dann aber rausgekratzt, weil sich die Herren und Frauen Khmer zu der Zeit nicht ganz einig waren, welche Religion sie jetzt eigentlich haben wollen. Statt der Vishnus wurden schließlich Buddhasymbole in den Stein geschnitzt. Ich bin aber zuversichtlich, dass man das auch noch einmal ändern kann.

Auf jeden Fall gefällt es mir jetzt schon recht gut in meiner Tempelstadt. Die Frau darf bleiben.

Der Herr Buddha mit seinen vielen Kerzen und ein paar seiner Säulen auch.

Und falls ihr euch wundert, warum ich erst von Städten gesprochen habe und jetzt immer nur Tempelbilder zeige: Die anderen Gebäude der Städte waren zu den Khmer-Zeiten aus Holz. Deswegen sind die nicht mehr da. In den Steinhaufen durften nur die Götter wohnen und das sind auch die einzigen Haufen, die es heute noch zu sehen gibt.

Auch die Umgebung meiner Tempelstadt gefällt mir übrigens außerordentlich gut. Riesenbäume…

… Riesensteine…

… und Minielefanten. Was will Troll mehr?

Nach Angkor Thom haben wir uns dann schließlich noch den Ta Nei angeguckt. Ta bedeutet so viel wie „Ahne“ und der Ahne Nei ist bisher nicht wirklich restauriert, nur ein bisschen abgestützt worden und kämpft auch aktuell noch mit dem Dschungel um ihn herum. Das macht ihn aber auch besonders schön.

 

Den Ahnen Nei würde ich zu Ehren der Trollmama in Tro Ma Ma umbenennen und ihn danach gerne als Abenteuerspielplatz verwenden.

Ja, das würde mir schon durchaus gefallen, zwischen diesen ganzen Steinhaufen mein nettes, kleines An Ton zu errichten… Ich zieh ich mich dann mal zurück in mein stilles Kämmerchen und fange an, Pläne für erste Umbenennungen und Touristenvertreibungen zu schmieden. In meinem nächsten Artikel werde ich euch berichten, wie weit ich gekommen bin.

An (Gkor) Thon

 

 

 

 

 

 

 

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