Reis(e)troll

In der vergangenen Woche war ich ein bisschen Reis besichtigen. Das gehört für einen echten Reis(e)troll schließlich auch dazu. Zuerst bin ich dafür in die Berge gefahren, nach Sa Pa. Da gibt es ganz viele kleine Terrassen die Berge rauf und runter und auf den Terrassen steht Reis rum. Leider stehen da zu dieser Jahreszeit nur noch Reisstängel, den oberen Teil vom Reis haben die Leute nämlich schon von den Feldern weggenommen und in ihre Häuser gebracht.

Ganz bezaubernd sah es da aber trotzdem aus, in Sa Pa, auch ohne den oberen Teil vom Reis.

In den Bergen bei Sa Pa haben wir bei einer sehr netten Familie gewohnt. Die Mama hat uns gleich am Bus abgeholt, da warten alle Familienmamas jeden Tag in der Früh, um uns Touristen einzufangen und per Motorrad in ihr Haus zu bringen. So sieht das dann aus. Die sind alle ganz klein und süß (so wie ich), aber auch alles Frauen (nicht so wie ich). Die Männer arbeiten nämlich gerade auf den Reisfeldern und schneiden dem Reis die Köpfe ab. Und die Frauen fangen Touristen.

Aber wir haben uns von einer sehr netten Frau einfangen lassen. Die hat uns dann in ihr Haus gebracht und wir durften mal mit ihrer hochschwangeren Schwester, mal mit ihrer Freundin ein bisschen wandern gehen (die Familienmama selbst musste ja weiter Touristen fangen). Dazwischen haben uns ihre Kinder und Neffen und Nichten und Nachbarn und werweißnochalles unterhalten. Ein echtes Familienunternehmen. Das hier war meine persönliche beste Freundin.

Auch kulinarisch war das schon ganz schön gut da. Hier unser Frühstück – die Pfannkuchen waren nicht etwa für die ganze Familie (die essen natürlich Reis), sondern für vier Touristen und einen Troll.

Und abends durften wir uns mit der Familie zusammen Reis und noch so manche andere vietnamesische Leckerei zu Gemüte führen. Unter anderem die besten Frühlingsrollen meinen kurzen, bisherigen Trolllebens. Zum Glück habe ich in China schon gelernt, wie man halbwegs ordentlich mit diesen Stäbchen isst. Habe der Trollmama also keine Schande gemacht.

Unsere Gastfamilie in den Bergen hat auch ganz schön viel selber gemacht. Für das Reismehl machen haben sie so eine tolle Mühle mit zwei großen Steinen, bei denen ein kleiner Troll wie ich tunlichst nicht dazwischen geraten sollte. Ich habe es leider nicht geschafft, die Steine zu bewegen, aber die Familienkinder hatten einen Riesenspaß dabei. Und haben auch noch nebenbei Mehl gemacht.

Außerdem hatten die noch so ein Ding, mit denen man Fäden zusammenknotet und am Ende wird Stoff daraus. Der war aber ausnahmsweise mal nicht aus Reis. Aber aus Hanf, der wächst hier auch irgendwo zwischen dem ganzen Reis.

Und wenn man will, dass der Hanfknotenstoff eine schönere Farbe kriegt, dann taucht man ihn einfach in ein riesiges, blaues Fass.

Zum Glück mag die Trollmama meine Farbe noch. Bin unbeschadet an dem Fass vorbeigekommen.

Aber eigentlich wollte ich euch ja vom Reis erzählen. Nachdem wir in Sa Pa waren, sind wir nämlich mit ganz schön vielen Bussen ganz schön viele Stunden lang nach Tam Coc bei Ninh Binh gefahren (Oh, ich mag diese Städtenamen! Vielleicht gründe ich mal eine Stadt namens An Ton.). Und da gab es… Reis. Die Berge gab es diesmal allerdings nur im Hintergrund und zwischen dem Reis gab es auch hin und wieder sehr schöne Blumen. Da hat sich das Blumentrollherz ein bisschen höher geschlagen!

Auch hier waren beim meisten Reis schon die Köpfe ab, aber hin und wieder hat man auch Menschen gesehen, die noch dabei waren, die Köpfe abzuschneiden.

So wie die hier. Hier waren nämlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen fürs Reiskopfabschneiden zuständig. Aber es hat uns diesmal auch keiner am Bus abgeholt. Irgendwas müssen die Frauen ja auch tun.

Nach dem Abschneiden werden dann erst einmal Reiszöpfe geflochten und am Schluss werden sie in großen Bündeln vom Feld getragen (Wer findet die Kopfabschneiderfrau auf diesem Bild?).

Danach werden die Köpfe vom Reis von den Hälsen getrennt. Dafür hatten die so eine Maschine, die nach dem Trennen die Reishälse wieder zurück aufs Feld gespuckt hat. Ich habe übrigens gelernt, dass die Menschen mit den spitzen Hüten Frauen sind und die mit den runden Hüten Männer (das erleichtert gerade auf diesem Bild die Unterscheidung ungemein).

Und am Ende sieht es dann so aus. Da kann nur noch die Kuh was damit anfangen.

Wenn man die Reisköpfe schließlich von den Hälsen und dem Rest drumherum getrennt hat, legt man den Reis zum Trocknen einfach auf die Straße oder in den eigenen Hof. Da laufen dann Hunde drüber und fahren Motorräder hindurch. Aber das stört keinen. Und manchmal freuen sich auch ein paar Hühner, weil sie ein kleines Schlaraffenland gefunden haben.

Ganz am Schluss wird der Reis wieder von der Straße zusammengekehrt und kommt in große Säcke, die auch erstmal wieder auf der Straße rumstehen. Bei unserer Familie in Sa Pa reichen die Reissäcke auch für das ganze Jahr zum Essen. Ziemlich cool, oder? In An Ton werde ich auf jeden Fall auch ein paar Reisfelder anlegen und mir Arbeitstrolle mieten, die das mühsame Abschneiden und Trocknen für mich erledigen.

Eine alte, vietnamesische Reistrollin haben wir auch noch getroffen. Die hat uns ganz wüst auf Vietnamesisch beschimpft und uns böse Blicke zugeworfen, als wir eine dieser Reisstraßen hinuntergelaufen sind. Aber die ist wahrscheinlich Reisetrolle einfach nicht so gewöhnt und war vielleicht auch ein bisschen sauer, dass sie den ganzen Reis vom Feld tragen muss und wir ihn dann für wenig Geld kaufen und essen können. Da würde ich wohl auch schimpfen. Ein bisschen froh war ich nämlich schon, dass ich eigentlich ein Reisetroll bin und kein Reistroll.

Auch wenn es nur ein kleines bisschen was mit Reis zu tun hat: Zu guter Letzt muss ich euch auch noch die Geschichte von den zwei vietnamesischen Essensmädchen erzählen, die wir in Sa Pa getroffen haben. Die Trollmama und ich hatten in Sa Pa nämlich noch ein paar Stunden Zeit bis zur Abfahrt von unserem Nachtbus nach Ha Noi und wollten uns die in einem riesengroßen und unglaublich vollen vietnamesischen Restaurant vertreiben, wo man auf Teppichen rumsitzt und einen schönen niedrigen Tisch mit ganz viel lecker Essen drauf dazu bekommt (unter anderem natürlich Reis). Und als wir da so alleine rumsaßen, zwischen diesen ganzen Tischen voller Vietnamesen, kam ein Mädchen vom Nachbartisch zu uns und hat gesagt, dass es vielleicht komisch klingt, aber sie würde uns gerne einladen, ihr und ihrer Freundin zu helfen, ihren Hotpot aufzuessen. Sie hätten nämlich viel zu viel bestellt und könnten es nicht alleine aufessen. Ein kleines bisschen misstrauisch war ich schon, weil wir hier schon ein paar zunächst sehr nette Menschen getroffen haben, die am Ende aber leider nur noch nett waren, wenn man ihnen Geld gegeben hat. Gut verkleidete Trolle, so vermute ich. Aber die Trollmama hat trotzdem die Einladung der Mädchen angenommen und wir hatten ein ganz schön leckeres Abendessen und haben viel mit den zwei Mädchen geredet. Und als wir ihnen am Schluss Geld für das Essen geben wollten, wollten sie es nicht haben und haben das ganze Essen alleine gezahlt und der Trollmama sogar noch eine kleine Tasche geschenkt, die sie in Sa Pa als Souvenir für ihre Freunde gekauft hatten. Und jetzt haben wir auch noch eine Einladung nach Ho Chi Minh Stadt, wo die beiden eigentlich wohnen, in der Tasche. Manchmal bin ich ganz verwundert, was für unglaublich nette Menschen es doch auf dieser Welt gibt. Und auch, wie die mich und die Trollmama immer finden.

Ein schönes, warmes Land mit netten Menschen, Reis und Reistrollen also. Und wenn es so weiter geht, bald mit einer Stadt namens An Ton.

An Ton Reis(e)troll

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