Bejtsching, die letzte

Gestern Mittag habe ich mich nun also wieder auf die Reise gemacht und mich heute früh in Shanghai wiedergefunden. Fragt mich nicht, wie aufregend diese Fahrt war.

Die Kurzform: Halbe Stunde vor Abfahrt erfahren, dass wir am falschen Bahnhof sind – richtiger Bahnhof eine halbe Stunde mit dem Bus weg – freundliche Chinesin sprintet mit ihrem Koffer und uns zur richtigen Bushaltestelle – Taxifahrer folgt uns, sagt er bringt uns für 15 Euro so schnell wie möglich zum richtigen Bahnhof – machen wir – Taxi bleibt in Minigassen hinter Bahnhof zwischen geparkten Rollern stecken und fährt sogar einmal an – aus den Gassen befreit jagen quer durch die Stadt mit Spurwechseln und Hupen – Taxifahrer will auf dem Weg natürlich mehr Geld von uns haben – wir weigern uns und er schmeißt uns zum Glück nicht mitten auf dem Weg raus – Sprint mit Riesenrucksack die Taxiauffahrt zum Bahnhof hinauf, im Zickzack zwischen lauter im Schritttempo fahrenden Taxis – nette Beamte lassen uns bei Sicherheitskontrolle vor – wir hüpfen zwei Minuten vor Abfahrt in den Zug und sind fünf Stunden später tatsächlich in Shanghai. Puuuuuh! Das war knapp! Das Rennen hat hauptsächlich die Mama gemacht, muss ich zugeben. Aber geschwitzt hab ich schon auch.

Ja… Das heißt, ich musste gestern im Eiltempo Tschüss zu meinem aufregenden und wuseligen Bejtsching sagen. Wobei ich auf das Gewusel hier in Shanghai wohl auch nicht verzichten muss. Gibt ja genug Chinesen in diesem Land und die haben auch immer noch alle Urlaub, weil hier in der ersten Oktoberwoche Nationalferien sind. Und anscheinend sind alle Chinesen auch gerade an den Orten höchst interessiert, die die Trollmama und ich uns angucken wollen.

Meine gestrige Abreise aus Bejtsching ist ein guter Anlass, um euch noch ein paar Dinge zu zeigen, die ich da so gemacht habe. Mein persönlicher Paparazzo war ja die ganze Zeit mit dabei.

Erst einmal habe ich es irgendwie geschafft, mich auf diesem U-Bahn-Plan und in den unterirdischen Stationen zurechtzufinden. Das ging ganz gut, weil die Chinesen netterweise alles auf Englischchinesisch unter ihre Bildersprache geschrieben haben. Eine U-Bahn-Fahrt kostet umgerechnet auch nur so 50 bis 80 Cent, da haben wir uns dann gleich ein paar Fahrten mehr gegönnt. Das war – neben dem Kunstmuseum und den großen Sehenswürdigkeiten – auch der beste Ort, um diese verrückten Chinesen ausgiebig zu beobachten. Die gucken beim U-Bahn-Fahren sehr gerne kleine Filme auf ihren ebenfalls kleinen Telefonen an. Und wenn sie keine Filme angeguckt haben, dann haben sie meistens uns angeguckt.

Und wir haben die Chinesen und die lustigen Sicherheitshinweise auf den Bildschirmen in der U-Bahn angeguckt. Ich habe vom Herren chinesischen Polizisten gelernt: Lieber in der U-Bahn keinen Sprengstoff explodieren lassen, sonst müssen die Sanitäter kommen. Sehr oft gabs auf den Bildschirmen auch Militärparaden mit vielen roten Fahnen zu sehen.

Das mit dem Sprengstoff wäre sowieso ein bisschen schwierig gewesen, weil die hier an jedem U-Bahn-Eingang das Gepäck durchleuchten, ob da nicht irgendwas Gefährliches drin ist. Die Trollmama hat aber regelmäßig Trolle, Messer und Flüssigkeiten durchgeschmuggelt, das hat die (unglaublich vielen) chinesischen Sicherheitsbeamten dann doch nicht so interessiert.

Außerdem haben wir einen besonders verrückten Chinesen getroffen. Der lebt in einem Hutong in Bejtsching. Ein Hutong ist, das habe ich auf der Free Walking Tour, die uns zu ihm geführt hat, gelernt, eine Straße, die weniger als neun Meter breit ist. Ich würde sagen, er wohnt in einem Hinterhof. Einem schönen Hinterhof aber.

Der verrückte Chinese hat unglaublich viele Tiere und ist in der Gegend bekannt, weil er Kampfgrillen züchtet und deswegen auch schon in so mancher lokalen Zeitung erschienen ist.

Wir haben aber vor allem mit seinem Gecko (und seinem Tiger) Bekanntschaft gemacht.

Außerdem waren wir im bekannten Beihai-Park. Ihr müsst wissen, dass chinesische Parks nicht wie deutsche Parks einfach grüne Flächen mit Wegen dazwischen sind. Oh nein, da ist schon mehr geboten. Seen mit Brücken und Tempel und Boote in lustigen Farben und Formen und und und. Diese Dinge müssen natürlich auch alle fotografiert werden. Oft inklusive einem selbst, als Beweis für die Großmutter.

Na, wie viele chinesische Fotogeräte auf einem Bild?

Wir haben aber auch wieder Fotos gemacht. Vom aktuellen Modetrend in Bejtsching nämlich. Seht selbst.

Ganz richtig. Die Menschen tragen Pflanzen auf dem Kopf. Auch die erwachsenen. Fast wie Waldtrolle. Nur, dass sie zu groß sind für Waldtrolle. Es müssen eigentlich schon Chinesen sein.

Gut, dass mich die nette Beihai Park Polizei nochmal erinnert. Hab gut auf die Trollmama aufgepasst.

Auch ein schönes Phänomen hier: Leute, meistens eher schon ältere, ziehen sich hübsch an und gehen dann in den Park zum Tanzen. Überhaupt scheint der öffentliche Raum hier gerne und viel genutzt zu werden. Vor ein paar Tagen bin ich mit der Trollmama abends mitten in Bejtsching aus der U-Bahn gestolpert und am Platz vor der U-Bahn – einfach nur ein kleiner, grauer Betonplatz, hatte sich ein halbes Volksfest eingerichtet. Es gab Elektromusik, Menschen allen Alters haben dazu getanzt, andere haben einen Ball mit Federn dran durch die Luft gekickt und viele sind rumgesessen und haben sich unterhalten. Silvi, Markus, Adam: Wir treffen uns im Januar am Kolumbusplatz zum Tanzen! Zieht euch schon mal warm an.

Und noch eine sehr schöne Begegnung. Die Trollmama und ich haben an einer Brücke obige Männer getroffen, die alle sehr geschäftig hinter ihren Kameras rumgestanden sind. Ich habe mich schon auf die Limousine mit Angelina Jolie drin gefreut, die gleich links von mir auftauchen würde… Dann habe ich mich allerdings umgedreht und folgendes entdeckt:

Also… ganz hübsch. Aber wo ist denn jetzt die Angelina? Ich hab sie nicht entdeckt, auch nach minutenlangem Gucken nicht. Auch der Turm hat sich nicht bewegt und es gab kein Feuerwerk. Versteh einer diese Fotografenchinesen!

Eines Tages in Bejtsching waren wir noch bei einem internationalen Schwimmwettkampf im Aquatic Center im Pekinger Olympiapark. Eigentlich wollten wir uns das Aquatic Center nur von außen ansehen (das war das, das so schön blau leuchtet und Luftblasen auf der Wand hat), aber dann sind da so viele Chinesen reingerannt, dass wir neugierig geworden sind und uns eine Karte gekauft haben. Wir haben auch ordentlich Stimmung gemacht da drin, die Trollmama und ich. Aber die Chinesen um uns herum waren da nicht ganz so dabei. Die haben eigentlich nur ein bisschen geklatscht, wenn ein Chinese gewonnen hat. Ansonsten haben sie eher Fotos gemacht und gefilmt. Aber die Mama und ich haben fleißig für jeden Schwimmer geklatscht, der vorgestellt wurde und haben so manchen komischen Seitenblick dafür geerntet.

Man muss auch sagen, dass es wahrscheinlich kein ganz so hochklassiger internationaler Schwimmwettbewerb war. Aber zwischen den unglaublich vielen chinesischen Schwimmern gab es immerhin auch den ein oder anderen Europäer, Australier oder Amerikaner.

Und zu guter letzt war ich noch mit der Trollmama und einem polnischen Mädchen aus unserem Hostel im Botanischen Garten. Ich war noch nie in einem deutschen botanischen Garten, aber ich glaube trotzdem, die haben hier ein anderes Konzept. Wir haben Menschen mit Zelten gesehen und wussten nicht, ob die da einfach schlafen, um sich am nächsten Tag den Eintritt zu sparen, oder ob man das hier einfach so macht. Am Eingang des botanischen Gartens gab es einen Teil mit unglaublich großen, sich bewegenden Dinosaurierfiguren (vielleicht waren es auch echte Dinosaurier, die sie festgenagelt haben) und wir haben im Laufe des Tages zwischen den ganzen Pflanzen auch so einige Dinosaurier entdeckt, die sich aber nicht mehr bewegt haben. Das waren vielleicht die Leichen aus dem ersten Teil des Gartens. Natürlich gab es auch wieder unglaublich viele fotografierende Chinesen und Chinesen mit lustigen Dingen auf ihrem Kopf.

Genau meine Größe.

Bisschen zu groß.

Dinosauerierleiche Nr. 1. Hat auch keine Zähne mehr, deswegen ungefährlich. Aber sie haben ihm Orchideen auf den Rücken gepackt und ihn ins Gewächshaus gestellt. Ein schöner Tod.

Dinosaurierleiche Nr. 2. Keine Orchideen.

Auch eine Plüscheule im rosa Plastikreifen hat es als Deko ins Gewächshaus geschafft.

Da konnte ich nicht mit aufs Bild, da war ein Tümpel dazwischen. Aber auch die Tierchen hier sind offensichtlich offizielle Deko des botanischen Gartens in Bejtsching.

In der Verbotenen Stadt waren wir schließlich auch noch, aber die war gar nicht so verboten, nur voller chinesischer Touristen. Denen hätte man die Stadt einfach mal verbieten sollen, dann wäre das für die Trollmama und mich ein bisschen angenehmer gewesen. So sahs da aus (man beachte die Menschenschlange, die sich in der Ferne die Treppen hochwindet):

Puh, das war jetzt ganz schön viel, gell? Die Trollfingerchen schmerzen auch schon wieder. Und jetzt gehts wieder raus in den Dunst und die Hochhauslabyrinthe von Shanghai. Ist schon ganz anders hier als in Bejtsching. Aber davon erzähl ich euch ein andermal!

Anton Flitzetroll

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s