Reis(e)troll

In der vergangenen Woche war ich ein bisschen Reis besichtigen. Das gehört für einen echten Reis(e)troll schließlich auch dazu. Zuerst bin ich dafür in die Berge gefahren, nach Sa Pa. Da gibt es ganz viele kleine Terrassen die Berge rauf und runter und auf den Terrassen steht Reis rum. Leider stehen da zu dieser Jahreszeit nur noch Reisstängel, den oberen Teil vom Reis haben die Leute nämlich schon von den Feldern weggenommen und in ihre Häuser gebracht.

Ganz bezaubernd sah es da aber trotzdem aus, in Sa Pa, auch ohne den oberen Teil vom Reis.

In den Bergen bei Sa Pa haben wir bei einer sehr netten Familie gewohnt. Die Mama hat uns gleich am Bus abgeholt, da warten alle Familienmamas jeden Tag in der Früh, um uns Touristen einzufangen und per Motorrad in ihr Haus zu bringen. So sieht das dann aus. Die sind alle ganz klein und süß (so wie ich), aber auch alles Frauen (nicht so wie ich). Die Männer arbeiten nämlich gerade auf den Reisfeldern und schneiden dem Reis die Köpfe ab. Und die Frauen fangen Touristen.

Aber wir haben uns von einer sehr netten Frau einfangen lassen. Die hat uns dann in ihr Haus gebracht und wir durften mal mit ihrer hochschwangeren Schwester, mal mit ihrer Freundin ein bisschen wandern gehen (die Familienmama selbst musste ja weiter Touristen fangen). Dazwischen haben uns ihre Kinder und Neffen und Nichten und Nachbarn und werweißnochalles unterhalten. Ein echtes Familienunternehmen. Das hier war meine persönliche beste Freundin.

Auch kulinarisch war das schon ganz schön gut da. Hier unser Frühstück – die Pfannkuchen waren nicht etwa für die ganze Familie (die essen natürlich Reis), sondern für vier Touristen und einen Troll.

Und abends durften wir uns mit der Familie zusammen Reis und noch so manche andere vietnamesische Leckerei zu Gemüte führen. Unter anderem die besten Frühlingsrollen meinen kurzen, bisherigen Trolllebens. Zum Glück habe ich in China schon gelernt, wie man halbwegs ordentlich mit diesen Stäbchen isst. Habe der Trollmama also keine Schande gemacht.

Unsere Gastfamilie in den Bergen hat auch ganz schön viel selber gemacht. Für das Reismehl machen haben sie so eine tolle Mühle mit zwei großen Steinen, bei denen ein kleiner Troll wie ich tunlichst nicht dazwischen geraten sollte. Ich habe es leider nicht geschafft, die Steine zu bewegen, aber die Familienkinder hatten einen Riesenspaß dabei. Und haben auch noch nebenbei Mehl gemacht.

Außerdem hatten die noch so ein Ding, mit denen man Fäden zusammenknotet und am Ende wird Stoff daraus. Der war aber ausnahmsweise mal nicht aus Reis. Aber aus Hanf, der wächst hier auch irgendwo zwischen dem ganzen Reis.

Und wenn man will, dass der Hanfknotenstoff eine schönere Farbe kriegt, dann taucht man ihn einfach in ein riesiges, blaues Fass.

Zum Glück mag die Trollmama meine Farbe noch. Bin unbeschadet an dem Fass vorbeigekommen.

Aber eigentlich wollte ich euch ja vom Reis erzählen. Nachdem wir in Sa Pa waren, sind wir nämlich mit ganz schön vielen Bussen ganz schön viele Stunden lang nach Tam Coc bei Ninh Binh gefahren (Oh, ich mag diese Städtenamen! Vielleicht gründe ich mal eine Stadt namens An Ton.). Und da gab es… Reis. Die Berge gab es diesmal allerdings nur im Hintergrund und zwischen dem Reis gab es auch hin und wieder sehr schöne Blumen. Da hat sich das Blumentrollherz ein bisschen höher geschlagen!

Auch hier waren beim meisten Reis schon die Köpfe ab, aber hin und wieder hat man auch Menschen gesehen, die noch dabei waren, die Köpfe abzuschneiden.

So wie die hier. Hier waren nämlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen fürs Reiskopfabschneiden zuständig. Aber es hat uns diesmal auch keiner am Bus abgeholt. Irgendwas müssen die Frauen ja auch tun.

Nach dem Abschneiden werden dann erst einmal Reiszöpfe geflochten und am Schluss werden sie in großen Bündeln vom Feld getragen (Wer findet die Kopfabschneiderfrau auf diesem Bild?).

Danach werden die Köpfe vom Reis von den Hälsen getrennt. Dafür hatten die so eine Maschine, die nach dem Trennen die Reishälse wieder zurück aufs Feld gespuckt hat. Ich habe übrigens gelernt, dass die Menschen mit den spitzen Hüten Frauen sind und die mit den runden Hüten Männer (das erleichtert gerade auf diesem Bild die Unterscheidung ungemein).

Und am Ende sieht es dann so aus. Da kann nur noch die Kuh was damit anfangen.

Wenn man die Reisköpfe schließlich von den Hälsen und dem Rest drumherum getrennt hat, legt man den Reis zum Trocknen einfach auf die Straße oder in den eigenen Hof. Da laufen dann Hunde drüber und fahren Motorräder hindurch. Aber das stört keinen. Und manchmal freuen sich auch ein paar Hühner, weil sie ein kleines Schlaraffenland gefunden haben.

Ganz am Schluss wird der Reis wieder von der Straße zusammengekehrt und kommt in große Säcke, die auch erstmal wieder auf der Straße rumstehen. Bei unserer Familie in Sa Pa reichen die Reissäcke auch für das ganze Jahr zum Essen. Ziemlich cool, oder? In An Ton werde ich auf jeden Fall auch ein paar Reisfelder anlegen und mir Arbeitstrolle mieten, die das mühsame Abschneiden und Trocknen für mich erledigen.

Eine alte, vietnamesische Reistrollin haben wir auch noch getroffen. Die hat uns ganz wüst auf Vietnamesisch beschimpft und uns böse Blicke zugeworfen, als wir eine dieser Reisstraßen hinuntergelaufen sind. Aber die ist wahrscheinlich Reisetrolle einfach nicht so gewöhnt und war vielleicht auch ein bisschen sauer, dass sie den ganzen Reis vom Feld tragen muss und wir ihn dann für wenig Geld kaufen und essen können. Da würde ich wohl auch schimpfen. Ein bisschen froh war ich nämlich schon, dass ich eigentlich ein Reisetroll bin und kein Reistroll.

Auch wenn es nur ein kleines bisschen was mit Reis zu tun hat: Zu guter Letzt muss ich euch auch noch die Geschichte von den zwei vietnamesischen Essensmädchen erzählen, die wir in Sa Pa getroffen haben. Die Trollmama und ich hatten in Sa Pa nämlich noch ein paar Stunden Zeit bis zur Abfahrt von unserem Nachtbus nach Ha Noi und wollten uns die in einem riesengroßen und unglaublich vollen vietnamesischen Restaurant vertreiben, wo man auf Teppichen rumsitzt und einen schönen niedrigen Tisch mit ganz viel lecker Essen drauf dazu bekommt (unter anderem natürlich Reis). Und als wir da so alleine rumsaßen, zwischen diesen ganzen Tischen voller Vietnamesen, kam ein Mädchen vom Nachbartisch zu uns und hat gesagt, dass es vielleicht komisch klingt, aber sie würde uns gerne einladen, ihr und ihrer Freundin zu helfen, ihren Hotpot aufzuessen. Sie hätten nämlich viel zu viel bestellt und könnten es nicht alleine aufessen. Ein kleines bisschen misstrauisch war ich schon, weil wir hier schon ein paar zunächst sehr nette Menschen getroffen haben, die am Ende aber leider nur noch nett waren, wenn man ihnen Geld gegeben hat. Gut verkleidete Trolle, so vermute ich. Aber die Trollmama hat trotzdem die Einladung der Mädchen angenommen und wir hatten ein ganz schön leckeres Abendessen und haben viel mit den zwei Mädchen geredet. Und als wir ihnen am Schluss Geld für das Essen geben wollten, wollten sie es nicht haben und haben das ganze Essen alleine gezahlt und der Trollmama sogar noch eine kleine Tasche geschenkt, die sie in Sa Pa als Souvenir für ihre Freunde gekauft hatten. Und jetzt haben wir auch noch eine Einladung nach Ho Chi Minh Stadt, wo die beiden eigentlich wohnen, in der Tasche. Manchmal bin ich ganz verwundert, was für unglaublich nette Menschen es doch auf dieser Welt gibt. Und auch, wie die mich und die Trollmama immer finden.

Ein schönes, warmes Land mit netten Menschen, Reis und Reistrollen also. Und wenn es so weiter geht, bald mit einer Stadt namens An Ton.

An Ton Reis(e)troll

Ein schönes warmes Land in Bildern!

Jetzt sind wir raus aus China gefahren und hinein in ein schönes, warmes Land namens Viet Nam. Ich habe gerade gar nicht viel Zeit zu schreiben, weil wir bald wieder in einen dieser Busse springen, um von Nordosten nach Nordwesten zu kommen. Deswegen gibt es jetzt einfach mal viele Bilder und ich erzähle euch später einmal mehr von diesem schönen, warmen Land. Bisher waren wir hier in Ha Noi und auf der Cat Ba Insel und es hat mir sehr gut gefallen!

Die Menschen hier gucken übrigens ein bisschen aus wie ich. Sprechen aber schon wieder ganz anders.

Anton Inseltroll

Gruppenfotos

Und noch ein letzter Nachtrag zu meinem Chinaaufenthalt. Es gab nämlich nicht nur einen Reisetroll in China, nein, da hat sich außer mir so manches andere seltsame Wesen rumgetrieben.

Ich hab mal ein paar Gruppenfotos gemacht.

 

Da hab ich leider nicht mehr mit aufs Bild gepasst.

 

Anton Nichtdereinzigeverrückte

Bye bye, China!

Ein bisschen Chinesisch habe ich ja doch gelernt hier. Zur Begrüßung sagen die Chinesen „Ni hao“. Danke heißt sowas wie „Schi schie“ und für Tschüss wurde mir tatsächlich „Bye bye“ beigebracht. Das wäre das, was man hier umgangssprachlich sagt. Die Trollmama und ich habens ausprobiert – es funktioniert! Dutzende an Verkäufern, Essensstandinhabern und anderen chinesischen Menschen haben uns auf unser „Bye bye“ hin in den vergangenen Wochen ebenfalls ein fröhliches „Bye bye“ hinterhergerufen. Jetzt müssen wir aber bald nicht mehr nur zu einzelnen Chinesen, sondern gleich zum ganzen China „Bye bye“ sagen.

Morgen Früh nehmen die Trollmama und ich nämlich den Bus raus aus China, rein nach Vietnam. Von Nanning nach Hanoi. Acht Stunden Fahrt, dann sind wir wieder in einer anderen Welt.

Ein bisschen in einer anderen Welt sind wir ehrlich gesagt jetzt schon. Wir sind von Shanghai aus einen ganzen Tag Zug gefahren (aber lange Zug fahren können wir ja jetzt schon ganz gut), nach Südchina nämlich. Auf der Zugfahrt haben wir einen kleinen Eindruck bekommen, was Südchina landschaftlich alles zu bieten hat. Das war sehr anders als in Bejtsching und Shanghai und außerordentlich schön. Und wir haben auch fast keine Chinesen da draußen zwischen den hübschen Bergen rumwuseln sehen. Bei dem Anblick waren wir ein bisschen traurig, nicht mehr Zeit hier im Süden zu verbringen. Aber wer ist schon ein echter Reisetroll, der nicht schon die nächsten Reisen im Kopf hat?

Auf der Fahrt haben wir außerdem einen 51-jährigen chinesischen Geschäftsmann kennengelernt, mit dem wir uns die letzten fünf Stunden vor der Ankunft unterhalten haben und der uns dann noch in ein Taxi zum Hostel gesetzt hat. Der war wirklich sehr nett. Konnte leider kein Englisch und wir ja nur oben genannte Wörter in Chinesisch. Wir haben aber einfach die Kommunikationsmethode gewählt, die ihr auf dem Bild sehen könnt. Zusammen mit seinem Handyübersetzungsprogramm (das uns manchmal wirklich lustige Sätze wie „Do you want to come out to play?“ geliefert hat) hat das für fünf Stunden gereicht.

Ihr könnt ja mal raten, worüber wir uns alles unterhalten haben!

Jetzt sitzen wir beiden also im einzigen Hostel in Nanning und es scheint hier nur Reisende zu geben, die entweder gerade aus Vietnam kommen oder da hin wollen. So wie wir.

Ja, und weil heute mein letzter Tag in China ist, möchte ich euch gerne noch ein paar Eindrücke aus Shanghai liefern, da haben wir ja schließlich eine ganze Woche (inklusive eines Ausflugs ins nahe gelegene Hangzhou) verbracht. So sieht Shanghai im Modell im Stadtplanungsmuseum aus. Ganz schön groß (und das auf dem Bild ist auch nur ein kleiner Teil davon). Fast 25 Millionen Menschen wohnen da zwischen diesen roten chinesischen Zeichen.

Shanghai kam mir tatsächlich recht anders als Bejtsching vor, obwohl es da auch einfach unglaublich viele Chinesen gab. Aber es gab auch viel mehr Menschen, die ausgeschaut haben wie die Trollmama. Ich glaube viele davon haben da quasi ständig gewohnt. Deswegen wurde die Trollmama in Shanghai auch deutlich weniger angestarrt als in Bejtsching, ich glaube die Menschen da kennen so weiße Gesichter und so helle Haare, wie sie die Trollmama hat, schon ein bisschen. Fotos mit der Trollmama machen wollten trotzdem viele.

Ein großer Unterschied war auch, dass ich in Shanghai viel mehr unglaublich hohe und vor allem nachts wunderschön leuchtende Häuser gesehen habe als in Bejtsching.

Auf eines haben wir uns sogar hochfahren lassen. Das Haus hatte einen lustigen Namen, es hieß „Flaschenöffner“ oder so ähnlich.

Wuhuu, auf 423 Metern Höhe. Da freut sich der Höhentroll.

Und wenn es erstmal leuchtet, ist es sowieso noch viel schöner.

Außerdem gab es einen Teil, wo es ganz schön viel Wasser auf den Straßen gab. Tschibao Wasserstadt haben die das genannt. Und statt Autos haben die auf ihren Unterwasserstraßen Boote benutzt. Aber es gab auch Wege für Fahrräder und Motorroller dazwischen. Gar keine ganz echte Wasserstadt also.

In Shanghai habe ich auch wieder so schöne Gärten mit Seen und alten chinesischen Gebäuden (und unglaublich vielen Menschen drin) gefunden, wie in Bejtsching. Nur dass man direkt hinter den alten chinesischen Gebäuden oft auch recht neue chinesische Gebäude gesehen hat.

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Aber ganz Vieles sah in Shanghai auch fast ein bisschen so aus wie bei uns daheim in Europa. Wahrscheinlich, weil die Shanghaier vor so einigen Jahren auch den Engländern und den Franzosen und den Amerikanern erlaubt haben, hier einzuziehen. Und die haben sich ein wenig zwischen den ganzen Chinesen verbreitet und Sachen, die sie in Europa oder Amerika gern gehabt haben, mitgebracht.

Englischen Tee zum Beispiel. Wir haben aber auch französischen Wein und französische Croissants entdeckt. Und auch ganz viel amerikanische Küche, schnellere aber.

In Hangzhou, einer Stadt in der Nähe von Shanghai, waren wir auch noch, zusammen mit einer netten kleinen Kanadierin, die wir uns wieder einmal im Hostel angelacht haben. Uns wurde gesagt, Hangzhou wäre das Paradies der Großstadtchinesen. Da wollten wir uns das natürlich auch mal angucken. Ein bisschen paradiesisch war es schon.

 

 

Aber ich weiß trotzdem noch nicht, ob das mein bestes Trollparadies ist. Dafür gab es da vielleicht auch wieder ein bisschen zu viele Menschen um den See herum. Aber dafür, dass es mitten in einer Millionenstadt liegt und man mit der U-Bahn hinfahren kann, war es da am West Lake in Hangzhou schon nicht so schlecht. Vor allem abends mit den ganzen schönen Blinkelichtern.

So, das wars jetzt also mit China. Das dritte Land auf unserer Reise. Schön wars hier. Bisschen viele Chinesen vielleicht. Aber gerade der Südwesten des Landes hat mein reisetrollsches Interesse geweckt. Möglicherweise kommen wir mal wieder. Hab die Trollmama ja ganz gut im Griff, was Reiseziele angeht. Hehehe.

Bis bald aus Vietnam!

Anton (Weiter)Reisetroll

 

 

In China essen sie Hunde!

Das hat man mir zumindest gesagt. Selbst habe ich das noch nicht gesehen, aber andere Reisende haben behauptet, es gäbe in Peking Essensläden mit Hundewelpen im Schaufenster. Die Reisenden, die das gesagt haben, haben sich aber keinen bestellt, konnten leider also nicht ganz aus erster Hand (beziehungsweise aus erstem Mund) berichten.

Eigentlich ist mir das auch ein bisschen egal, weil ich habe mich auch ohne auf Hunde zu treffen fleißig durch die chinesische Essenslandschaft gefuttert. Und da ich ein ebenso großer Schweinefreund wie Hundefreund bin, bin ich Menschen und Trollen, die Schweine essen, nicht böser oder weniger böse als Menschen und Trollen, die Hunde essen. Aaaaaber. Es gibt da ja auch noch ganz andere Sachen. Das Highlight findet ihr ganz am Schluss des Artikels. Ich muss ja schließlich den Spannungsbogen halten. Ihr könnt schon mal raten, was es war!

Ich fang erst einmal ganz normal an. Bei McDonalds. Da gibt es nämlich einen weißen Burger, den es glaube ich nur hier gibt. Der heißt auch irgendwas mit „China Burger“ und schmeckt – wenig erstaunlich – irgendwie chinesisch. Bin kein Burgertroll, aber den musste ich probieren. Und eigentlich war er ganz gut. Vielleicht war auch Hund drauf.

Nummer zwei: Diese leckeren Instantnudeln gab es überall, wo es Touristen gab. Touristenkioske haben hier nämlich nicht nur Schokoriegel, Chips und Getränke, sondern im Normalfall auch – Instantnudeln, inklusive heißem Wasser und Klappgabel. Übrigens eines der wenigen Male, dass ich eine Gabel benutzen durfte.

Und natürlich gibt es überall in China Reis. Das hier unten war einige Male das Frühstück von der Trollmama und mir. Danach braucht man dann im Normalfall auch bis Abends nichts mehr essen. Praktisch, oder? Es ist übrigens nicht so leicht, was ohne Fleisch zu finden. Und wenn es kein Fleisch gibt, dann gibt es als Ersatz Unmengen an Ei. So wie hier.

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Nudeln dürfen in China auch nicht fehlen. Die hier waren sehr lecker, aber die Chinesen haben doch wieder mal etwas Fleisch reingeschmuggelt, was die Trollmama eigentlich gar nicht so gerne mag. Aber wenn man nur auf Bilder deuten kann, muss man wohl nehmen, was drin ist. Ich habe das Fleisch dann für die Trollmama gegessen. Mittlerweile bin ich mit den Stäbchen nämlich so gut geworden, dass ich selbst bestimmen kann, was ich drauflade und es nicht von den Stäbchen bestimmen lassen muss.

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Und obwohl manche Leute uns gewarnt haben, haben wir heimlich doch ein bisschen Essen von so Wägelchen auf der Straße gegessen. Das war nämlich das leckerste und günstigste zugleich. Bei dem Herren hier durften wir uns Spieße aussuchen, die der dann für uns gegrillt hat. Wir sind zum Glück alle beide von den Angriffen fieser Magenbakterien verschont geblieben. Die Trollmama hat die ja eigentlich auch schon in Ulan Bator besiegt, hoffentlich trauen sie sich nicht nochmal her.

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In einem echten chinesischen Hummerrestaurant waren wir auch. Das war so gut, dass wir vorher erst einmal eine halbe Stunde auf Hockern auf der Straße gewartet haben um einen Platz zu bekommen. Dafür gabs aber Sonnenblumenkerne als Vorspeise.

Drinnen gab es dann was ganz anderes in Schale. Und so sehr sich die Trollmama immer über Fleisch im Essen beschwert, da geht dann halt doch die Neugierde mit ihr durch und sie isst sogar Tierchen, die ihr noch in die Augen schauen können. Pfffft. Versteh das einer. Man muss zur Verteidigung sagen, dass es auch noch ganz viel anderes Essen dazu gab, viele kleine Schälchen mit Gemüse und Reis und paniertem Fisch und und und. Also nicht nur Augentierchen.

Das nächste sieht erst einmal recht ähnlich aus, ist aber ganz was anderes. Eines Abends hier in Shanghai waren wir mit einer Kanadierin und zwei Chinesinnen Hotpot essen. Da kriegt man so einen heißen Topf mit verschiedenen Soßen und dazu verschiedenes Fleisch und Gemüse und das schmeißt man dann da rein und holt es nach einer Weile wieder raus. Das war eines meiner Lieblingsessen! Wegen der Actionkomponente.

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Die Actionkomponente wurde sogar noch erhöht, als der Herr Kungfunudelmacher kam. Wenn man Kungfunudeln bestellt, kommt der Herr Nudelmacher mit Nudelteig an den Tisch, wirbelt den elegant durch die Gegend, bis er zu langen Nudeln wird, und wirft die schließlich in den heißen Topf zu unserem Fleisch und Gemüse. Leider hat er zu schnell gewirbelt, um auf dem Foto schön auszusehen.

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Und schließlich noch die bekannte Bejtsching Duck. Die schaut einem nicht mehr in die Augen, wird aber im Ganzen zubereitet und dann neben dem Tisch vom persönlichen Koch für einen aufgeschnitten. Wir haben natürlich nicht die ganze Ente alleine gegessen, sondern sie mit einer netten Polin aus unserem Hostel und einer netten Koreanerin, die wir im Museum gefunden haben, geteilt.

Man beachte den Maulkorb. Vielleicht hat der in die letzte Ente heimlich reingebissen, da wollten sie diesmal auf Nummer sicher gehen.

Am Schluss hat man dann die Ente in kleinen Stückchen auf extra dafür hergestellten Entenfleischwärmern (das steht sogar drauf!) auf dem Tisch und darf sie dann mit dem Selbstbauset selbst zu einem Essen zusammenbauen. Das in der Tasse ist übrigens heißes Wasser, das kriegt man hier recht häufig zum Essen dazu. Zum Glück habe ich erst einmal geguckt, was die anderen machen, und mir nicht gleich meine Trollfüße drin gewaschen. Die trinken das nämlich eigentlich.

So sieht das am Ende aus. Frühlingszwiebel, Gurke, Knoblauch, Sojasoße und Ente in einen kleinen Pfannkuchen, rollen und mit den Stäbchen in den Mund. Große Herausforderungen für meine kleinen Trollfinger.

Vor der Bejtsching Duck waren wir gemeinsam in Bejtsching in der Food Street. So etwas habe ich ja mein ganzes Leben noch nicht gesehen. Ich war ganz schön fasziniert, aber gleichzeitig habe ich fast ein bisschen geweint, weil es so viele Leichen und Noch-nicht-aber-bald-Leichen gab. So wie die hier. Die waren auf jeden Fall schon tot.

Die hier glaube ich auch. Aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Der hier war noch sehr lebendig. Aber ich glaube es war ein Skorpionmörder. Mich mochte er, aber ein bisschen froh war ich schon, aus den Fingern wieder rauszukommen. Nicht, dass der mich noch verwechselt.

Ein weiterer Skorpionmörder.

Das Skorpionsgemeine (die Hunde lasse ich hier mal aus dem Spiel) war, dass die sich auf den Stäbchen noch bewegt haben. Noch-nicht-aber-bald-Leichen also.

Auch nochmal in größerer Auswahl. An der Anzahl an Bildern bemerkt ihr meine Faszination.

So, und jetzt wirds hart. Die Faszination hat uns nämlich alle unter den Arm geklemmt und ist mit uns durchgegangen. Das koreanische Mädchen wollte zuerst unbedingt einen Skorpion mit uns teilen, aber das konnten die Trollmama und ich abwenden. Wir haben uns stattdessen für gegrillte Grashüpfer entschieden.

Und ich hab auch die Trollmama beim dran Knabbern erwischt.

Natürlich wurden auch die Herren Chinesen auf uns aufmerksam und schwuppdiwupp stand ein Skorpionchinese neben der Trollmama und wollte Bilder machen.

Na dann! Guten Appetit!

Anton Heuschreckenfresser

Bejtsching, die letzte

Gestern Mittag habe ich mich nun also wieder auf die Reise gemacht und mich heute früh in Shanghai wiedergefunden. Fragt mich nicht, wie aufregend diese Fahrt war.

Die Kurzform: Halbe Stunde vor Abfahrt erfahren, dass wir am falschen Bahnhof sind – richtiger Bahnhof eine halbe Stunde mit dem Bus weg – freundliche Chinesin sprintet mit ihrem Koffer und uns zur richtigen Bushaltestelle – Taxifahrer folgt uns, sagt er bringt uns für 15 Euro so schnell wie möglich zum richtigen Bahnhof – machen wir – Taxi bleibt in Minigassen hinter Bahnhof zwischen geparkten Rollern stecken und fährt sogar einmal an – aus den Gassen befreit jagen quer durch die Stadt mit Spurwechseln und Hupen – Taxifahrer will auf dem Weg natürlich mehr Geld von uns haben – wir weigern uns und er schmeißt uns zum Glück nicht mitten auf dem Weg raus – Sprint mit Riesenrucksack die Taxiauffahrt zum Bahnhof hinauf, im Zickzack zwischen lauter im Schritttempo fahrenden Taxis – nette Beamte lassen uns bei Sicherheitskontrolle vor – wir hüpfen zwei Minuten vor Abfahrt in den Zug und sind fünf Stunden später tatsächlich in Shanghai. Puuuuuh! Das war knapp! Das Rennen hat hauptsächlich die Mama gemacht, muss ich zugeben. Aber geschwitzt hab ich schon auch.

Ja… Das heißt, ich musste gestern im Eiltempo Tschüss zu meinem aufregenden und wuseligen Bejtsching sagen. Wobei ich auf das Gewusel hier in Shanghai wohl auch nicht verzichten muss. Gibt ja genug Chinesen in diesem Land und die haben auch immer noch alle Urlaub, weil hier in der ersten Oktoberwoche Nationalferien sind. Und anscheinend sind alle Chinesen auch gerade an den Orten höchst interessiert, die die Trollmama und ich uns angucken wollen.

Meine gestrige Abreise aus Bejtsching ist ein guter Anlass, um euch noch ein paar Dinge zu zeigen, die ich da so gemacht habe. Mein persönlicher Paparazzo war ja die ganze Zeit mit dabei.

Erst einmal habe ich es irgendwie geschafft, mich auf diesem U-Bahn-Plan und in den unterirdischen Stationen zurechtzufinden. Das ging ganz gut, weil die Chinesen netterweise alles auf Englischchinesisch unter ihre Bildersprache geschrieben haben. Eine U-Bahn-Fahrt kostet umgerechnet auch nur so 50 bis 80 Cent, da haben wir uns dann gleich ein paar Fahrten mehr gegönnt. Das war – neben dem Kunstmuseum und den großen Sehenswürdigkeiten – auch der beste Ort, um diese verrückten Chinesen ausgiebig zu beobachten. Die gucken beim U-Bahn-Fahren sehr gerne kleine Filme auf ihren ebenfalls kleinen Telefonen an. Und wenn sie keine Filme angeguckt haben, dann haben sie meistens uns angeguckt.

Und wir haben die Chinesen und die lustigen Sicherheitshinweise auf den Bildschirmen in der U-Bahn angeguckt. Ich habe vom Herren chinesischen Polizisten gelernt: Lieber in der U-Bahn keinen Sprengstoff explodieren lassen, sonst müssen die Sanitäter kommen. Sehr oft gabs auf den Bildschirmen auch Militärparaden mit vielen roten Fahnen zu sehen.

Das mit dem Sprengstoff wäre sowieso ein bisschen schwierig gewesen, weil die hier an jedem U-Bahn-Eingang das Gepäck durchleuchten, ob da nicht irgendwas Gefährliches drin ist. Die Trollmama hat aber regelmäßig Trolle, Messer und Flüssigkeiten durchgeschmuggelt, das hat die (unglaublich vielen) chinesischen Sicherheitsbeamten dann doch nicht so interessiert.

Außerdem haben wir einen besonders verrückten Chinesen getroffen. Der lebt in einem Hutong in Bejtsching. Ein Hutong ist, das habe ich auf der Free Walking Tour, die uns zu ihm geführt hat, gelernt, eine Straße, die weniger als neun Meter breit ist. Ich würde sagen, er wohnt in einem Hinterhof. Einem schönen Hinterhof aber.

Der verrückte Chinese hat unglaublich viele Tiere und ist in der Gegend bekannt, weil er Kampfgrillen züchtet und deswegen auch schon in so mancher lokalen Zeitung erschienen ist.

Wir haben aber vor allem mit seinem Gecko (und seinem Tiger) Bekanntschaft gemacht.

Außerdem waren wir im bekannten Beihai-Park. Ihr müsst wissen, dass chinesische Parks nicht wie deutsche Parks einfach grüne Flächen mit Wegen dazwischen sind. Oh nein, da ist schon mehr geboten. Seen mit Brücken und Tempel und Boote in lustigen Farben und Formen und und und. Diese Dinge müssen natürlich auch alle fotografiert werden. Oft inklusive einem selbst, als Beweis für die Großmutter.

Na, wie viele chinesische Fotogeräte auf einem Bild?

Wir haben aber auch wieder Fotos gemacht. Vom aktuellen Modetrend in Bejtsching nämlich. Seht selbst.

Ganz richtig. Die Menschen tragen Pflanzen auf dem Kopf. Auch die erwachsenen. Fast wie Waldtrolle. Nur, dass sie zu groß sind für Waldtrolle. Es müssen eigentlich schon Chinesen sein.

Gut, dass mich die nette Beihai Park Polizei nochmal erinnert. Hab gut auf die Trollmama aufgepasst.

Auch ein schönes Phänomen hier: Leute, meistens eher schon ältere, ziehen sich hübsch an und gehen dann in den Park zum Tanzen. Überhaupt scheint der öffentliche Raum hier gerne und viel genutzt zu werden. Vor ein paar Tagen bin ich mit der Trollmama abends mitten in Bejtsching aus der U-Bahn gestolpert und am Platz vor der U-Bahn – einfach nur ein kleiner, grauer Betonplatz, hatte sich ein halbes Volksfest eingerichtet. Es gab Elektromusik, Menschen allen Alters haben dazu getanzt, andere haben einen Ball mit Federn dran durch die Luft gekickt und viele sind rumgesessen und haben sich unterhalten. Silvi, Markus, Adam: Wir treffen uns im Januar am Kolumbusplatz zum Tanzen! Zieht euch schon mal warm an.

Und noch eine sehr schöne Begegnung. Die Trollmama und ich haben an einer Brücke obige Männer getroffen, die alle sehr geschäftig hinter ihren Kameras rumgestanden sind. Ich habe mich schon auf die Limousine mit Angelina Jolie drin gefreut, die gleich links von mir auftauchen würde… Dann habe ich mich allerdings umgedreht und folgendes entdeckt:

Also… ganz hübsch. Aber wo ist denn jetzt die Angelina? Ich hab sie nicht entdeckt, auch nach minutenlangem Gucken nicht. Auch der Turm hat sich nicht bewegt und es gab kein Feuerwerk. Versteh einer diese Fotografenchinesen!

Eines Tages in Bejtsching waren wir noch bei einem internationalen Schwimmwettkampf im Aquatic Center im Pekinger Olympiapark. Eigentlich wollten wir uns das Aquatic Center nur von außen ansehen (das war das, das so schön blau leuchtet und Luftblasen auf der Wand hat), aber dann sind da so viele Chinesen reingerannt, dass wir neugierig geworden sind und uns eine Karte gekauft haben. Wir haben auch ordentlich Stimmung gemacht da drin, die Trollmama und ich. Aber die Chinesen um uns herum waren da nicht ganz so dabei. Die haben eigentlich nur ein bisschen geklatscht, wenn ein Chinese gewonnen hat. Ansonsten haben sie eher Fotos gemacht und gefilmt. Aber die Mama und ich haben fleißig für jeden Schwimmer geklatscht, der vorgestellt wurde und haben so manchen komischen Seitenblick dafür geerntet.

Man muss auch sagen, dass es wahrscheinlich kein ganz so hochklassiger internationaler Schwimmwettbewerb war. Aber zwischen den unglaublich vielen chinesischen Schwimmern gab es immerhin auch den ein oder anderen Europäer, Australier oder Amerikaner.

Und zu guter letzt war ich noch mit der Trollmama und einem polnischen Mädchen aus unserem Hostel im Botanischen Garten. Ich war noch nie in einem deutschen botanischen Garten, aber ich glaube trotzdem, die haben hier ein anderes Konzept. Wir haben Menschen mit Zelten gesehen und wussten nicht, ob die da einfach schlafen, um sich am nächsten Tag den Eintritt zu sparen, oder ob man das hier einfach so macht. Am Eingang des botanischen Gartens gab es einen Teil mit unglaublich großen, sich bewegenden Dinosaurierfiguren (vielleicht waren es auch echte Dinosaurier, die sie festgenagelt haben) und wir haben im Laufe des Tages zwischen den ganzen Pflanzen auch so einige Dinosaurier entdeckt, die sich aber nicht mehr bewegt haben. Das waren vielleicht die Leichen aus dem ersten Teil des Gartens. Natürlich gab es auch wieder unglaublich viele fotografierende Chinesen und Chinesen mit lustigen Dingen auf ihrem Kopf.

Genau meine Größe.

Bisschen zu groß.

Dinosauerierleiche Nr. 1. Hat auch keine Zähne mehr, deswegen ungefährlich. Aber sie haben ihm Orchideen auf den Rücken gepackt und ihn ins Gewächshaus gestellt. Ein schöner Tod.

Dinosaurierleiche Nr. 2. Keine Orchideen.

Auch eine Plüscheule im rosa Plastikreifen hat es als Deko ins Gewächshaus geschafft.

Da konnte ich nicht mit aufs Bild, da war ein Tümpel dazwischen. Aber auch die Tierchen hier sind offensichtlich offizielle Deko des botanischen Gartens in Bejtsching.

In der Verbotenen Stadt waren wir schließlich auch noch, aber die war gar nicht so verboten, nur voller chinesischer Touristen. Denen hätte man die Stadt einfach mal verbieten sollen, dann wäre das für die Trollmama und mich ein bisschen angenehmer gewesen. So sahs da aus (man beachte die Menschenschlange, die sich in der Ferne die Treppen hochwindet):

Puh, das war jetzt ganz schön viel, gell? Die Trollfingerchen schmerzen auch schon wieder. Und jetzt gehts wieder raus in den Dunst und die Hochhauslabyrinthe von Shanghai. Ist schon ganz anders hier als in Bejtsching. Aber davon erzähl ich euch ein andermal!

Anton Flitzetroll

Bilder von Menschen, die Bilder von Bildern machen

Heute war ich im National Art Museum of China hier in Bejtsching und ich sag euch… also malen können sie ja gut, diese Chinesen. Aber Bilder anschauen können sie gar nicht gut. Bilder von Bildern machen geht dafür wieder besser. Also das geht sogar sehr gut. Ich hab mich gefragt, was die denn mit den Bildern von den Bildern machen, wenn sie einmal in ihrer Kamera oder ihrem Telefon drin sind. Schauen sie sich die daheim alle nochmal an? Wo es nicht so stressig ist wie im Museum mit diesen vielen anderen chinesischen Menschen und wo man sich dazu noch ein paar Dumplings und ein Bier genehmigen kann? Oder zeigen sie sie ihren Freunden, die es sich nicht leisten können, in die Galerie zu gehen (das gilt heute allerdings nicht, da war der Eintritt nämlich umsonst)? Oder vielleicht machen sie die Bilder ja auch, um sie ihrer alten, kranken Großmutter zu Hause zu zeigen, die es nicht mehr in die Galerie schafft. Das wäre dann allerdings sehr löblich.

Ich wollte mir auf jeden Fall lieber die Bilder angucken, als Bilder von ihnen zu machen. Hab ja auch keine alte, kranke Großmutter zu Hause – zumindest keine, von der ich wüsste. Aber nach einer Weile Bilder angucken hat mich mein Kamerafinger dann doch gejuckt und ich habe angefangen, Bilder von Menschen, die Bilder von Bildern machen, zu machen. Damit meine armen, reiseunfähigen Blogleser auch mal mit ihren eigenen Äuglein sehen können, wie verrückt diese Chinesen eigentlich wirklich sind. Das ist dann ja fast das gleiche Prinzip wie mit der alten, kranken Großmutter. Vielleicht beginne ich sie ja gerade doch ein kleines bisschen zu verstehen, diese verrückten Chinesen…

Das war der erste Raum der Ausstellung. Hier scheint noch alles relativ normal.

Aber hier geht der Wahnsinn schon los. Immerhin guckt die Hälfte der Menschen noch direkt, ohne Kamera vor der Nase.

Hier gibt es schon keinen neutralen Beobachter mehr. Dafür das Bild in zweifacher Ausführung.

Da wurden gleich neun Bilder hintereinander gemacht.

Und hier so ungefähr neun auf einmal.

Der Herr hier hat sich glaube ich kein einziges Bild ohne sein Smartphone dazwischen angeschaut.

Dafür war er ausdauernd beim Bilder von Bildern machen.

Sehr ausdauernd!

Sehr ausdauernd.

Ha, und noch eins!

Der einzige Mann, der ohne Kamera zu gucken scheint, hatte eine Sekunde vorher sein Smartphone auch noch vor dem Gesicht. Der einzige Mann, der wirklich guckt, ist der auf dem Bild, von dem die Bilder gemacht werden.

Auch die Bildbeschreibungen sind wichtig. Die will die kranke Großmutter natürlich auch lesen. Oder zumindest vorgelesen bekommen.

Findet er auch.

Und damit die Bilder für die Großmutter auch ganz sicher was werden, hat er noch seinen Bruder dabei.

Die Konzentration beim Bilder machen kann man ihnen zumindest nicht absprechen. Vielleicht sind sie sogar konzentrierter, als sie es wären, würden sie einfach gucken.

Auch hier wieder schönes multiples Bildermachen. Aber einer guckt danach auch nochmal. Und eine andere guckt zumindest das Bild auf ihrem Smartphone nochmal an.

Und zu guter Letzt: Damit die Großmutter auch weiß, dass man selber da war zum Bilder machen und nicht einfach jemanden geschickt hat, muss man natürlich auch selbst hin und wieder mit aufs Bild – neben dem Bild.

Hiermit habe ich also heute einen großen Teil meines Tages in Bejtsching verbracht. Sehr gut verbracht, wie ich finde. Ich habe aber dazwischen auch ein paar Bilder angeguckt, nicht nur diese verrückten Chinesen (obwohl es gar nicht so einfach für mich neugierigen, kleinen Troll war, mich nicht ablenken zu lassen).

Und wer eine alte, kranke Großmutter hat, die nicht mehr nach China reisen kann, darf ihr heute Abend diesen Beitrag vorlesen und ihr alle Bilder zeigen, jawohl!

Anton Bildertroll