Tour de Mongolie – Erste Etappe: Wüstensteppe, Steppenwüste

Da bin ich wieder… der Trollgroll ist fürs erste abgeebbt und ich kann mich nun wieder der Schönheit der Mongolei widmen statt der Verzogenheit meiner Trollbrüder. Entschuldigt, dass ihr unsere Privatfehden mitbekommen musstet, da sind einfach meine Trollemotionen mit mir durchgegangen. Aber jetzt komme ich wieder meinem allgemeinen Bildungsauftrag nach und zeige euch den ersten Teil unserer Reise durch die Mongolei: Die Fahrt in die Wüste Gobi – durch eine Menge Steppe und große Steinhaufen hindurch.

Die Bilder sind übrigens nicht manipuliert, das Wetter war – entgegen mancher Voraussagen für den mongolischen September – fast durchgehend wunderbar. Geregnet hats immer nur, wenn wir im Ger waren (möglicherweise sind wir aber auch immer in unser Ger gegangen, wenn es geregnet hat). Und richtig kalt wars erst in den Bergen, also auf unserer zweiten Etappe. Da sind wir dann (fast) alle Expertenfeuermacher, Nachtsnichtaufsklomüsser sowie Unglaublichschnellausdemschlafsackspringerundanzieher geworden. Mongolische Kernkompetenzen.

Neben Feuermachen, Blasentraining und Schnellanziehen gab es aber noch ein paar weitere wichtige Lerneffekte auf unserer Reise:

Erstens: Sag in einem Ger Ja zu Tee, Brot und Butter und freundlich Nein zu getrocknetem Joghurt und gegrillten Tierteilen. Bei ein paar Family Gers (das sind Nomadenfamilien, die noch ein oder zwei Touristengers neben ihrem eigenen Ger aufgestellt haben) wurden wir zur Begrüßung gleich auf einen Milchtee (Kamelmilch, Tee und Salz) sowie auf ein paar Stückchen getrockneten Joghurt und selbstgebackenes Brot und Gebäck sowie selbstgemachte Butter oder selbstgemachten Joghurt eingeladen. Den getrockneten Joghurt konnte ich selbst nach einigen Versuchen noch nicht so gut meinen kleinen Trollhals hinunterzwingen. Aber ich muss sagen, das mit dem Brot, der Butter und dem noch flüssigen Joghurt kriegen die mindestens genauso gut hin, wie unsere Supermärkte daheim. Ein sehr freundlicher mongolischer Gastvater hat uns dann auch noch auf ein paar gegrillte Pferdehoden eingeladen (und unsere mongolische Führerfrau hat steif und fest behauptet, er mache das NICHT bei jeder Touristengruppe, die in ihrem Ger vorbeikommt). Als wir die Pferdehoden dankend abgelehnt haben, hat er sie genüsslich und mit amüsierten Blicken in unsere Richtung einfach selbst gegessen. Ach ja. und Schnaps aus Yakmilch gab es auch einmal. Ein bisschen unglaublich fand ich das schon, was die alles an ess- und trinkbaren Sachen aus ihren Tieren rausholen.

Zweitens: Lass bei Regen nicht die Tür deines Gers auf – auch wenn der Ofen es drinnen recht warm macht. Denn auch Ziegen ziehen ein warmes Ger dem kaltem Regen vor und du wirst viel Zeit damit verbringen, nasse und frierende Ziegen von deiner Gerschwelle zu verjagen.

Drittens: Vegetarisches mongolisches Essen funktioniert und schmeckt, aber erwarte nicht zu viel Vielfalt. Im Wesentlichen gibt es Kohl, Kartoffeln, Karotten, Eier, Mayonnaise. Brot und Süßigkeiten. Weil die Trollmamas und der Trollstiefpapa eine vegetarische Tour gebucht hatten, haben sie oben genannte Zutaten jeden Tag in variabler Zusammenstellung erhalten, manchmal noch gepimpt mit ein bisschen Tomate, Gurke oder Schmelzkäse. Aber man muss auch sagen, dass unsere mongolische Führerfrau sich redlich Mühe gegeben hat, uns jeden Tag zumindest optisch etwas Neues zu präsentieren. Und geschmeckt hats auch. Für sich selbst und unseren Fahrer hat sie aber ab dem zweiten Tag immer noch zusätzlich (oder ausschließlich) Fleisch gekocht.

Viertens: Die meisten mongolischen Landbewohner haben das westliche Bettenprinzip noch nicht ganz verstanden. In einem unserer ersten Family Gers hat eine der Trollmamas beim Milchtee im Ger der Gastfamilie noch ganz naiv gefragt, wo die beiden Gasteltern denn schlafen würden, es gäbe hier doch keine Betten. Großes Gelächter bei allen Anwesenden nach Übersetzung durch die Führerfrau. Natürlich schlafen die beiden auf dem Boden im hinteren, mit Teppich ausgelegten Teil des Gers. Als wir dann in unserem Touristenger eingezogen sind, haben wir gelernt, dass die Gastfamilie das Prinzip des auf dem Boden Schlafens für uns Touristen einfach einen halben Meter in die Höhe gehoben hat. Die optisch sehr bequemen Matratzen waren einfach mit Stoff bezogene Bretter. Kein Wunder, dass die denken, wir sind völlig verrückt. Wer kann schon verstehen, warum jemand zum Schlafen seinen Boden einen halben Meter über dem Boden haben will?

So, jetzt aber fürs Erste genug erzählt, eigentlich wollte ich euch ja Bilder zeigen.

Ich hab mir in unserem „Russian Van“ gleich einen Platz ausgesucht, aber der mongolische Fahrer hat mich recht schnell wieder verjagt. Als ich später die Straßen gesehen habe, auf denen wir uns fortbewegen sollten, war ich nicht mehr so sehr böse.

Da wars auch ganz nett.

Und auch da hätte ichs mir vorstellen können zu bleiben. Da mussten aber die Rucksäcke rein. Das da hinten ist übrigens Wasser, kein Wodka.

Der Anfang der lustigen Steinhaufen. Ein paar waren von der Natur gemacht, aber einige auch von Menschen, hat man mir gesagt.

So wie der hier,

Und der hier.

Und jetzt ratet mal, welcher Haufen trollgemacht ist.

Auf den menschengemachten Haufen findet man auch diverse Nichtsteine. Wie blaue Bänder, Geldscheine und manchmal sogar Plastikpferde. Das Geld darf man übrigens nicht einsammeln, das gibt schlechtes Karma – hat mir ein Herr Buddhist gesagt. Ob ich das Pferd hätte mitnehmen dürfen?

Ich glaube hier war die Natur an den Steinhaufen schuld. Gab auch keine Geldscheine und Pferde drauf. Nur schöne Farben. Die Mongolen nennen den Ort „White Stupa“ (Tsagaan Suvarga), weil die Haufen ein bisschen wie buddhistische Stupas aussehen.

Noch mehr weiße Stupahaufen.

Und hier die dazugehörigen gestreifen Berge. Von oben…

… und von unten.

Bei den „Flaming Cliffs“ (Bayanzag) gabs dann eher rote Steinhaufen. Aber auch groß. Ich vermute, dass auch da die Menschen nichts damit zu tun haben.

Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Sehr ihr, da läuft nämlich eine weg.

Aus der Perspektive erscheints mir aber wieder nicht mehr so menschlich gemacht. Müsste ein großer Mensch gewesen sein. Oder ein Troll?

Jetzt halte ich das mit den Trollen für immer wahrscheinlicher. Wer sonst würde solche Pickel in die Wand machen? Möglicherweise auch die Überreste eines Trollstreits unter Zuhilfenahme von Lehmklumpen.

Und irgendjemand hat bei den Flaming Cliffs auch an die kleinen Reisetrolle gedacht und uns ein paar Palmen gepflanzt.

Leider auch Trolle fangendes weißes Gestrüpp. Da war die Palmenerholung schon wieder futsch.

Die Aussicht vom Baum daneben hat dann aber doch wieder was wettgemacht.

Und auch in der Wüste, bei den Khongoriin Els Sanddünen, gab es palmenähnliche Erholungsstätten für Reisetrolle. Die auch noch schöne Muster im Sand hatten.

Sandengel!

Die Elsen Tasarkhai Sanddünen waren dann ein bisschen weniger wellnessorientiert. Schon gar nicht für Kamele. Das war übrigens nicht meine Kameldame, der geht es gut!

Aber in den Schatten wollte ich mich hier trotzdem nicht legen.

Das war also die Steinsteppenwüstenetappe. Auf der nächsten Etappe wirds dann deutlich grüner und ein bisschen buddhistischer. Die scheinen ihre Kloster hier nämlich besonders gerne in die Berge zu bauen. Vielleicht mögen die Mönche es grün. Oder kalt. Naja… Das überlege ich mir dann im nächsten Beitrag.

Euer Anton Sandengel

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