Diebe!

Man hat mich ja gewarnt, dass man in der Mongolei, und besonders in Ulan Bator, gut auf seine Sachen aufpassen muss. Vor allem auf meinen Rucksack und auf die Taschen von der Trollmama habe ich gut geachtet, weil es hier gerüchteweise vornehmlich Taschendiebe gibt. Ja… und dann fahr ich mal kurz aufs Land, lasse unsere Taschen einen Moment aus den Augen und was passiert? Meine Trollbrüder klauen ohne Skrupel meinen schönen kleinen Computer und lassen sich nicht einmal von der russischen Militärpräsenz davon abhalten. Frechheit! Wenn ich die nochmal in die Finger kriege… Aber jetzt sind sie natürlich schon wieder auf dem Weg nach Deutschland, so weit reichen meine Finger leider nicht.
Ich habe auch den Knopf noch nicht gefunden, mit dem ich ihr Getippsel wieder löschen kann, aber zumindest ein paar Klarstellungen will ich hier machen.

Mein Fehlen auf den Dünenbildern hat nämlich garüberhaupt nichts mit dem Essen des Vortages zu tun. Und auch wenig mit den in den Vortagen konsumierten geistreichen Getränken. Aber mit meinen zwei Trollbrüdern hat es was zu tun, oooh ja. Mit denen ist nämlich mal wieder ihre Trollnatur durchgegangen und ich bin, wie es scheint, schon zu lange ohne trollische Begleitung unterwegs. Ich habe es nicht kommen sehen.

Die zwei haben sich einen Trollspaß gemacht und mir in der Früh vor dem Dünenaufstieg einen riesigen Haufen vor die Jurte gelegt. Ich war schon sooo aufgeregt, hatte den Rucksack gepackt und die Trollfüße gelockert. Aber dann war ich erst einmal eine halbe Stunde außer Gefecht und konnte mich keinen Millimeter mehr bewegen. Ihr müsst wissen, dass Trolle alle möglichen intensiven Naturgerüche geradezu lieben. Aber Tierhaufen gehören nicht dazu. Das wussten die beiden Unruhestifter natürlich. Ich frage mich immer noch, wie die das Ding transportiert haben. Aber vielleicht haben sie ja auch das zugehörige Tier transportiert und dann vor der Jurte ein bisschen am Bauch gekitzelt.

Als ich mich schließlich von meiner Gestankstarre erholt hatte, waren die zwei mit den Trollmamas und dem Stieftrollpapa natürlich schon über alle Dünen und ich musste selbst gucken, wie ich zurechtkomme. Offensichtlich hat keiner der anderen bemerkt, dass ich fehle. Auch traurig irgendwie.

In der Ferne hinter dem Haufen sind mir dann recht schnell ein paar Kamele aufgefallen, die gemütlich in der Steppe rumstanden. Deren Haufen war es aber nicht, das hab ich verglichen.

Einer rumstehenden Kameldame bin ich beim Anschleichen auch aufgefallen. Aber nicht so sehr positiv, wie man sogar als Nichtkamelflüsterer sieht.

Als ich ihr dann für einen kleinen Ritt auf ihrem Rücken ein geistreiches Getränk und einen Keks versprochen habe, wurde sie nachdenklich.

Und hepp… oben war ich!

Die Kameldame wusste natürlich genau, wo die Dünen sind und hat mich an deren Fuß absteigen lassen. Für einen Keks und ein geistreiches Getränk wollte sie sich nicht auch noch da hoch quälen. Das konnte ich verstehen und hab sie unten sitzen gelassen…

… und mich alleine auf den Weg in sandige Höhen gemacht.

Nach so einigen kleinen Trollschrittchen hatte ich es auch bis ganz nach oben geschafft. Zum Glück waren meine Brüder weit und breit nicht zu sehen. Nur die Spuren der Trollmamas hab ich noch im Sand gefunden. Die beiden Gestankstifter hätte ich sonst auch sofort wieder die Dünen runtergeschubst. Oder sie meiner neuen Kamelfreundin zum Abendessen gegeben. Vor dem Keks.

Am nächsten Tag war ich immer noch ein bisschen sauer und wollte die zwei auch erst gar nicht mit in meinen Busch lassen (von wegen, mir ging es da wieder gut und die beiden haben sich darüber gefreut…). Aber die haben sich dann ja, wie ihr schon gesehen habt, einfach mit aufs Bild gedrängt.

Ein paar Tage später haben wir uns aber wieder versöhnt. Trollgroll dauert nicht lange. Und schließlich hätte ich ohne die beiden meine Kameldame gar nicht kennengelernt. Mit der hatte ich noch ein nettes Rendezvous in den Dünen, bevor ich sie wieder zurück zu ihren Kamelfreunden gebracht habe.

Am letzten Abend des Brüderbesuchs haben wir natürlich gemeinsam noch ein geistreiches Abschiedsgetränk zu uns genommen (Carlos hatte schon nach zwei Schlucken wieder ordentlich Schlagseite).

In meinem Fall war das sogar ein geistreichendes und leuchtendes Abschiedsgetränk. Diese Mongolen beeindrucken mich immer wieder…

Zu dem Zeitpunkt der geistreichen Getränkeaufnahme wusste ich natürlich noch nicht, dass die beiden auch noch meinen Computer entwendet haben. Das habe ich erst heute früh gemerkt. Sonst hätte ich ihnen mein leuchtendes, mongolisches Getränk aber unverzüglichst über den Kopf gekippt.

Ich habe wohl wirklich zu viel Zeit unter Menschen verbracht. Bin ganz schön naiv geworden, mir sind sämtliche Trollinstinkte völlig verkümmert. Aber daran werde ich arbeiten. Wartet nur, bis wir uns das nächste Mal sehen, ihr beiden!

Wenn ich aufgehört habe zu grollen, zeige ich euch auch noch die anderen Fotos von meiner Reise durchs Land. Aber jetzt brauche ich erst einmal ein geistreiches Getränk.

Anton Kamelflüstertroll

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