Ich bin zurück!

Der letzte Teil unserer Reise… so hat er angefangen.

Ich hab mich mit der Trollmama und dem Stieftrollpapa am Rand unserer kleinen Südseeinsel in ein noch kleineres Boot gesetzt und dieses Boot hat uns dann Richtung Bangkok gebracht. Beziehungsweise Richtung Flugzeug, das uns nach Bangkok geflogen hat. Oder noch genauer Richtung Festland, wo uns ein Minivan zu unserem Flugzeug gebracht hat. Auf jeden Fall sind wir recht lange Boot gefahren. Und ein hübsches, buntes Boot war das, das kann ich euch sagen.

Nach der langen Reise über das Meer, das Land und durch die Luft haben wir uns schließlich noch ein paar Tage in Bangkok vergnügt. Hauptsächlich in großen Einkaufszentren – da war es nicht ganz so heiß wie draußen und da hat uns der dort lebende Freund vom Stieftrollpapa auch einfach recht gerne hingeschleppt. In diesen großen Einkaufszentren habe ich auch noch ein paar sehr nette Bekanntschaften gemacht.

Die Teddybärenbande hat uns beim Kuchen Essen unterhalten…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

— und die Leuchtemärchenfiguren haben meine Welt für kurze Zeit noch etwas bunter gemacht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Vor dem sich bewegenden Dinosaurier hatte ich allerdings ein bisschen Respekt. Und erst vor den gruseligen Nikoläusen auf seinem Rücken.

Von all diesen Bewohnern und neuen Freunden musste ich mich aber schließlich schweren Herzens doch wieder verabschieden, um mit der Trollmama das letzte Stück unserer großen Reise anzutreten. Den Flug nach Hause.

Davor haben wir uns am Flughafen in Bangkok noch ein letztes Mal auf südostasiatischem Boden gestärkt und dabei auch kulinarisch schon ein paar große Schritte Richtung Heimat gemacht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ja, und plötzlich saßen wir im Flieger und der hat uns quer über Indien erst einmal nach Abu Dhabi geflogen. Und nicht nur nach Abu Dhabi, sondern auch hinein in das neue Jahr 2016.

Passt auf, jetzt kommt ein Trick! Guckt euch mal die folgenden beiden Bilder genau an.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Na, habt ihrs gemerkt? Genau, wir haben es nämlich geschafft, mit unserem Flieger gleich zweimal ins neue Jahr hineinzufliegen. Wir waren schneller als die Zeit. Cool, oder? Während in Frankfurt über eine Stunde vergangen ist, war es bei uns nur eine Minute. So muss es sich anfühlen, in einer Zeitmaschine zu reisen.

Hier seht ihr übrigens das Feuerwerk über Abu Dhabi, das wir um Mitternacht beim Landeanflug betrachten durften.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nämlich keines. Aber eigentlich hatten die auch schon genügend Lichter auf dem Boden rumliegen.

Am Flughafen in Abu Dhabi habe ich doch noch einmal neue Freunde gefunden. Habe mich mit ein paar lustig aussehenden Männern und ihren Kamelen angefreundet.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Um die Ecke, ordentlich geschlechtergetrennt, saßen die Frauen. Die habe ich aber vorsichtshalber lieber nicht angesprochen. Ihre Kamele auch nicht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Aha, und hier gings nach München. Den Flieger haben wir auch gleich genommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das allerletzte Verkehrsmittel auf unserer Reise. Ein ganz schön großes aber.

Nach nur weiteren sieben Stunden im Flugzeug waren wir schließlich und endlich zurück in München, die Trollmama und ich. Ein bisschen müde zwar, aber ansonsten in einem Stück und in etwa in dem Zustand, in dem wir vor fast fünf Monaten diese Stadt verlassen haben. Nur, dass in unseren Köpfen nach dieser langen Zeit ganz andere Bilder und Gedanken und Erinnerungen herumtanzen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier sind wir nun also seitdem. Zurück in unserer Heimat. Auch wenn wir hier in Deutschland in den letzten Tagen auch schon wieder die ein oder andere Stadt besucht haben oder die nächsten Tage noch besuchen wollen. So ganz stillhalten kann ich meine Trollfüße nämlich noch nicht. Aber sie werden langsam ruhiger und hören auf ständig zu jucken.

Danke an euch alle, fürs Begleiten, fürs Lesen und Kommentieren. Auch wenn ich eigentlich gar keine so ausdauernden Tippselfinger habe, hat es mir doch schon ganz schön Spaß gemacht, ein paar meiner Reisegeschichten mit euch zu teilen.

Wir waren (die Vereinigten Arabischen Emirate mal ausgenommen) in sieben Ländern zu Gast, haben etwa 36.000 Kilometer zurückgelegt (ca. 13.000 mit dem Flugzeug, 12.000 mit dem Zug, 10.000 mit dem Auto, Bus und Minivan und dann noch ein paar zerquetschte Kilometer mit Roller – ca. 700 – und Boot – ca. 350). Wir haben unzählige tolle Menschen und andere Wesen getroffen, die uns ein Stückchen des Weges begleitet haben. Und wir haben festgestellt, dass das, was die Orte am schönsten gemacht hat, meistens die besonderen Menschen waren – viel mehr noch als die schönen Flüsse und Bäume und Felsen und Häuser und Meere.

Jetzt sind wir wieder zurück und gerade sind die Zeiten ein bisschen schwierig, mit der Ankunft und vielen, vielleicht ein bisschen zu vielen, neuen Dingen in unserem Leben. Deswegen ziehe ich mich nach der großen Fernreise und unseren anstehenden kleinen Nahreisen erst einmal in meine kleine Trollhöhle zurück und mache Winterschlaf. Den habe ich mir verdient.

Wir werden sehen, wann ich daraus wieder hervorkrieche um euch ein bisschen mehr zu unterhalten.

Macht es gut! Behaltet die Reisefreude im Herzen und den Zauberglanz in den Augen. Ihr wisst ja:

Life is a journey. Es kommt nur auf die richtige Begleitung an.

Euer Anton Heimkehrtroll

 

Motorrollleidenschaften

Ich bin euch geduldigen Lesern ja noch eine Etappe meiner laotischen Rundreise schuldig geblieben, das hat in meinen vorletzten Beitrag nicht mehr hineingepasst. Aber jetzt passt es. Ihr dürft also noch einmal kurz vergessen, dass ich eigentlich schon lange in Thailand bin, und mit euren laosinteressierten Ohren und Augen genau lauschen und gucken.

Wir hatten uns von Luang Prabang aus aufgemacht in die Partystadt Vang Vieng, wo von einem (natürlich nicht namentlich genannten) Reisegruppenmitglied recht schnell potenzielle Drogenquellen und von ein paar anderen Reisegruppenmitgliedern umgehend potenzielle Partygelegenheiten identifiziert wurden. Aber keine Angst, von Drogen und Alkohol habe ich mich diesmal weitestgehend ferngehalten. Ich wollte ja nicht, dass die Trollmama auf der Weiterreise ihren betrunkenen oder bekifften Reisetroll irgendwo vergisst und ich mich dann alleine weiter durch dieses Laos schlagen muss.

Vermutlich auch deswegen hat bei unserem Besuch in Vang Vieng dann doch die wunderschöne Naturumgebung am meisten Eindruck bei mir hinterlassen. Am tollsten fand ich die Höhle vom Herrn Buddha. Der hat sich da einfach reingelegt und geschlafen, hat sich von uns Touristen gar nicht weiter stören lassen. Und auch nicht von dem großen Loch in der Höhlenwand, durch das ihm die ganze Zeit die Sonne auf den Kopf gefallen ist.

Wir haben uns dann am schlafenden Herrn Buddha auf leisen Troll- und Menschenzehen vorbeigeschlichen und auch noch die dunkleren Teile der Höhle erkundet. Dabei haben wir sogar das Badezimmer vom Herrn Buddha entdeckt.

Und am Ende waren wir auch noch in seinem Garten, unten am Berg, in dem der Herr Buddha oben drin lag. Uiuiuih, da hätte ich auch durchaus noch länger bleiben können. Aber ich habe es nicht übers Herz gebracht, die Trollmama alleine mit ihrer Reisegruppe weiterziehen zu lassen. Ich bin nach langem Überlegen dann doch wieder in ihre Tasche gehüpft.

In Vang Vieng haben wir schließlich auch einen Teil unserer Bootsreisegruppe verloren (nein, keine Alkohol-, Party- oder Drogentoten – lediglich andere Weiterreisewege) und sind schließlich mit Christoph, Mariola und Marcelo in Richtung Tha Khaek aufgebrochen, um dort gemeinsam ein Motorrollabenteuer zu starten.

In unserem Bus dorthin waren wir übrigens äußerst sicher, der hat nämlich glaube ich dem Herrn Buddha persönlich gehört. Warum hätten die auch sonst ihre Buddhageschenke direkt drangesteckt? Drinnen war er aber diesmal nicht, der Herr Buddha. Der hat wohl weiter in seiner Höhle geschlafen.

Angekommen in Tha Khaek haben wir erst einmal in einem gruseligen Hostel mit riesigen Geckos an der Wand geschlafen (gucke in laotischen Hostels niemals hinter die Bilder!) und uns dann am nächsten Tag früh aufgemacht um uns fahrbare Untersätze zu organisieren. Hat funktioniert.

Der Herr Wang hat uns freundlicherweise für eine kleine Geldspende ein paar zur Verfügung gestellt und auch gleich noch eine Karte für die Orientierung in den nächsten drei Tagen. Wir haben den Herrn Wang zum einen gewählt, weil er keine ganz so große Geldspende wollte, und zum anderen, weil wir gehört haben, dass er kleine Kratzer an einem Motorrollgerät nicht ganz so ernst nimmt und uns auch nicht nach unseren Fahrkünsten auf selbigen gefragt hat, bevor er uns welche gegeben hat. Hihihi… Um es aber vorwegzunehmen: Die Fahrkünste von der Trollmama und mir waren auf dem ganzen Weg sehr wunderbar und wir haben dem Herrn Wang auch keinen einzigen Kratzer in sein Gefährt gemacht. Und uns in unsere Haut auch nicht.

Nach erfolgreicher Motorrollgerätbeschaffung noch eine letzte Stärkung am Fluss… und los gings!

Unser erster Stopp auf der Strecke war wieder eine Höhle, diesmal aber nicht nur mit einem Buddha drin, sondern gleich mit hunderten. Die Höhle heißt Tham Pa Fa und wurde im Jahr 2004 von einem Einheimischen ganz zufällig beim Jagen entdeckt. Innen drin waren zu seinem Erstaunen 229 bis zu 300 Jahre alte Buddhastatuen aus diversen Materialien wie Stein, Silber und Blei.

Hört sich ganz schön spannend an, oder?

Man muss dazu sagen, dass die Bewohner des Dorfes unter der Höhle Tham Pa Fa die Vermarktung und Erhaltung ihrer Höhle als ihre persönliche Aufgabe ansehen und Tham Pa Fa auch die Haupteinnahmequelle der Dorfbewohner darzustellen scheint. Offensichtlich lassen sich selbige auch nicht lumpen und stecken jede Menge Arbeit in ihre Buddhahöhle, wodurch sie mittlerweile relativ bunt und glitzerig daherkommt. Man findet in der Höhle Teppichboden und Verkaufsstände für Buddhaopfergaben sowie einige rumsitzende, arbeitende oder schlafende Dorfbewohner. Und die Höhle ist nicht groß. Innen drin darf man auch keine Fotos machen, deswegen hier nur ein Schnappschuss vom Eingang aus. Da kann man die komplette Pracht der Tham Pa Fa Höhle leider nur erahnen.

Auf dem weiteren Weg sind wir, kurz bevor sich die Sonne verabschiedet hat, noch an wundersamen Feenseen mit abgestorbenen Bäumen darin vorbeigekommen. Ganz schön gruselig. Aber auch ganz schön schön.

Am Ende unseres ersten Tages auf dem Motorrollgerät haben wir schließlich recht zufällig eine Familie gefunden, die uns für die Nacht in ihrem frisch eröffneten Homestay schlafen hat lassen. Wie wir später erfahren haben, waren wir die ersten Gäste.

Bei Tageslicht sah das da so aus.

Zur abendlichen Unterhaltung gab es Lagerfeuer und Laolaoschnaps vom Hauspapa und zur weiteren Belustigung einen Vogel, der Motorrollgeräusche nachmachen konnte,…

Zur abendlichen Bewirtung gab es ein nettes kleines Restaurant mit Bier und Kaffee und gutem Essen…

… und zum Frühstück Omelett und Reis auf einem Teppich im Garten.

Besser geht das wohl kaum. Wahrscheinlich eine der nettesten und unterhaltsamsten Übernachtungen auf meiner ganzen Reise. Nach dem Frühstück haben wir uns dann wieder auf unsere fahrbaren Untersätze geschwungen. Brumm brumm.

Es war gar nicht so weit bis zur nächsten Attraktion: Weitere Seen mit toten Bäumen…

… und mit toten Fischen. Ob die wohl was mit den toten Bäumen zu tun haben?

Oder vielleicht eher mit diesen Fischerbooten? Meine Laotischkenntnisse haben nicht ausgereicht um zu fragen, ob sie die Fische schon tot aus dem See geholt haben.

Aber was ich gelernt habe, ist, dass sie nur die großen Fische schließlich auch aus dem Boot holen. Den kleinen hier wollten sie nicht, der ist drin geblieben. Bin froh, dass ich kein Fisch bin. Den See habe ich auch vorsichtshalber gar nicht erst betreten.

Ein bisschen weiter konnten wir die toten Bäume auch nochmal in schöner sehen. Keine toten Fische in Sichtweite diesmal.

Gegen Ende unseres zweiten Tages haben wir dann auch nochmal ein lebendigeres Gewässer gefunden. Eine kleine blaue Lagune, schön zum auf den Steinen rumklettern und auch schön zum Motorrollstaub abwaschen.

Ein paar sehr lebendige Fische konnte man hier auch bestaunen.

Tag zwei war nach langer Fahrt, das Ende im Dunkeln auf schlechter Straße, neben einer weiteren Höhle zu Ende, die wir uns am nächsten Morgen vor der Rückfahrt nach Tha Khaek noch angucken wollten. Die Khongor Höhle, die man nur mit dem Boot befahren kann. Also, ab ins Bett und früh den Wecker gestellt.

Die Khongor Höhle war am Ende gar nicht so spektakulär, eher eine nette Bootsfahrt im Halbdunkel. Und ein paar beleuchtete Tropfsteine gabs auch. Mir persönlich gefallen aber Höhlen mit dem Herrn Buddha drin besser. Da glitzerts dann wenigstens ein bisschen.

Nach der Höhle gings wieder rauf auf unsere Motorrollgefährte und schnell wie der Wind die 200 Kilometer zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Vorbei an laotischen und kommunistischen Fahnen …

… und noch so mancher schönen Berglandschaft.

Geendet hat unsere Motorrolltour schließlich wieder in Tha Khaek, an der Grenze zu Thailand. Letzteres haben wir uns dann gleich im Sonnenuntergangslicht über den Mekong hinüber angeschaut, weil da wollten wir ja am nächsten Tag hin. Nach Thailand. Auf die letzte Etappe unserer langen Reise.

Anton Motorrolltroll

 

Frohe Weihnachten!!

Auch, wenn meine Tippselfinger es in den letzten Tagen wieder nicht geschafft haben, recht viel zu produzieren, möchte ich euch doch ein kleines bisschen verspätet Frohe Weihnachten wünschen!

Ich hoffe, euch allen daheim geht es gut und ihr verbringt die Tage mit lieben und netten Menschen um euch herum. So wie ich. Und falls ihr keinen Strand habt, habt ihr bestimmt einen schönen Baum und ein paar Kerzen zur Hand – für die Stimmung.

Um euch noch zu zeigen, womit die Tippselfinger und der daranhängende Troll in den letzten Tagen so sehr beschäftigt waren, gibt es hier ein paar Fotos:

Unter Wasser durfte ich die Kamera leider nicht mitnehmen, das hat mir die Trollmama verboten. Aber die Fische haben bei meinem Anblick nicht schlecht geguckt, das kann ich euch sagen!

Schöne Feiertage euch allen!

Anton Weihnachtstauchertroll

Land der Flussschifffahrten, Wasserfalllandschaften und Motorrollleidenschaft

Vor drei Tagen habe ich ein Land verlassen müssen, das ich auf meiner Hindurchreise wirklich sehr ins Herz geschlossen habe. So sehr, dass ich mit der Trollmama insgesamt sogar zweimal hinein gefahren bin. Einmal von Süden, über die 4000 Inseln im Mekong. Das war vor einigen Wochen. Beim zweiten Mal vor 14 Tagen habe ich dann den Weg über durch den bergigen Norden gewählt. Und schon wieder bin ich mitten auf dem Mekong gelandet, diesmal aber nicht auf einer Insel sondern auf einem Schiff.

Was sagt uns das? Dem Mekong kann man offensichtlich nur ganz schwer entkommen, wenn man in dieses Laos hinein fahren will.

Hier haben wir also bei unserem zweiten Besuch angefangen. In Huay Xai im Norden von Laos, kurz hinter der thailändisch-laotischen Grenze.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ab da ging es in gemächlichem Tempo den Mekong hinunter, zunächst Richtung Pak Beng. Die Stimmung an Bord war von Anfang an prächtig.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wie man vielleicht erkennen kann, sind wir auf alten Autositzen gereist (Silvi, ich konnte leider das Rollkugelmonster nirgendwo entdecken…).

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

So sah das dann auf dem Boot aus. Vorne der Kapitän, hinten die Bar und dazwischen die Touristen und der Reisetroll. Einige wenige Einheimische gab es auch auf dem Boot, aber den meisten war das „Slowboat“ wohl zu langsam, die haben wir hin und wieder in kleineren und deutlich schnelleren Booten vorbeiflitzen sehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Weil es auf so Booten nicht so viel zu tun gibt und einem auch niemand so ohne Weiteres entkommt, haben wir uns in den zwei Tagen Slowboatfahrt eine nette Gruppe aus elf Menschen zwischen 2 und 55 Jahren aus Deutschland, Österreich, Spanien, Argentinien, Uruguay und den USA zusammengesammelt. Ein paar davon sind uns sogar bis hier in Bangkok treu geblieben.

Angekommen in Pak Beng durften wir uns erst einmal einen wunderschönen Sonnenuntergang einverleiben. Danach haben wir uns noch ein bisschen indisches Essen einverleibt und am Schluss haben sich ein paar Hostelbetten uns für die Nacht einverleibt. Am nächsten Morgen hat das Dörflein Pak Beng wieder alle Touristen auf ihr Boot gespuckt und weiter gings.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am ersten Tag gab es von der Sonne, die da gerade untergegangen ist, rund um den Mekong und unser Boot herum auch noch recht viel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das hat sich der laotische Wettergott am zweiten Tag allerdings anders überlegt. Immerhin hat er uns damit auch bunte Regenbögen beschert. Und weil wir uns in den letzten beiden Wochen nicht nur in Laos, sondern auch auf einem Intensivkurs Spanisch befanden (Mariola hat gesagt, sie schickt uns noch ein Zertifikat zu), wissen wir nun, dass Regenbogen auf Spanisch „arcoiris“ heißt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zum Glück hatte unser Boot auch ein Dach und nur beim Drunterhervorlugen hab ich mir meine Trollohren ein bisschen nass gemacht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Angekommen in Luang Prabang waren wir etwas überwältigt von den vielen Touristen, die da durch die Straßen strömen. Das Boot war ja zugegebenermaßen auch voll mit Touristen, aber die an waren wir nach zwei Tagen Fahrt schon gut gewöhnt. Die fremden Touristen in Luang Prabang dagegen mochten wir erst einmal nicht so sehr.

Als wir uns dann aber aus der Stadt entfernt und mehr ins Umland begeben haben, haben wir da doch noch ein paar andere Dinge außer Touristen entdeckt. Zum Beispiel eine Wasserbank.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und wo eine Wasserbank ist, da sind zwei Wasserfälle nicht weit. Alte Trollweisheit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den Wasserfall hier konnte man sich sogar von oben anschauen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ganz am Ende haben wir dann sogar in Luang Prabang selbst noch interessante Sachen zum Angucken gefunden. Zum Beispiel einen Aussichtsberg (mit Aussicht), …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

ein weiteres Stück vom Mekong …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

und den ein oder anderen Tempel, …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

zum Teil auch mit singenden Menschen darin, …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

und deren Schuhen davor.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am Ende haben wir uns also gut mit Luang Prabang versöhnen können und haben uns entschlossen, unserer Bootsfamilie weiter Richtung Süden, nach Vang Vieng, zu folgen. Auch wenn die Stadt einen Ruf als Partytown für junge Backpackertrolle hat und wir uns nicht so sicher waren, ob das uns zwei alten Hasen gefällt.

Davon erzähle ich euch aber das nächste Mal mehr. Und von der Motorrollleidenschaft natürlich, die hat mich und meine Trollmama hier nämlich gar sehr gepackt! Jetzt muss ich aber erst einmal wieder zu meinem Mango Sticky Rice zurückkehren.

Anton Mekongtroll

 

 

 

Königreich des Nordens

Uiuiuiuiuih… meine Reise geht in so riesigen Trollschritten voran, dass ich gar nicht richtig hinterherkomme. Und gerade meine Tippselfinger tun sich schwer bei dieser Geschwindigkeit. Zum Glück kommt der Kamerafinger der Trollmama noch mit…

Gerade eben befinde ich mich schon wieder in Laos, nach zwei Tagen Schifffahrt auf dem Mekongfluss. Das war vielleicht schön! Weil ich aber auch im nördlichen Königreich der Thailänder noch so viele wunderbare Dinge gesehen habe, müsst ihr euch jetzt erst einmal die anschauen. Ohne viel Trollgeschwätz dazwischen, ihr dürft einfach nur gucken.

In Nong Khai, frisch aus Laos gekommen. Weil die Trollmama und ich noch bisschen Zeit bis zu unserem Umsteigebus nach Chiang Mai hatten, haben wir uns einen netten Figurenpark vom Herrn Buddha und seinen Freunden angeschaut.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Und im Zentrum von Nong Khai saß der Herr Buddha auch nochmal in riesengroß und golden herum.

Meine erste Begegnung mit dem Mekong, auch in Nong Khai. Wir mochten uns auf Anhieb.

Die letzten Tage im Königreich habe ich mit der Trollmama und ein paar anderen Wandertrollen im Dschungel verbracht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Da sind sie, die Wandertrolle.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Im von uns bewanderten Dschungel gab es schwarze Höhlen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

… und grüne Bananen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auch gelbe. Die haben wir gleich gepflückt und aufgegessen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auch der Herr Spiderman hat eine Dschungelresidenz.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und ich könnte mir meine eigene Dschungelresidenz hier oben ganz gut vorstellen.

Der Herr Elefant dürfte auch mal zu Besuch kommen.

Am Ende des Tages habe ich uns die Sonne gefangen. Damit wir auch nachts noch was sehen können in unserem Dschungel. Sie ist mir aber leider im letzten Moment wieder durch die Finger geflutscht.

Zurück in der Stadt habe ich mich von den Strapazen bei meiner Leib- und Magenspeise Mango Sticky Rice erholt.

Die hier wollte ich auch erst probieren, aber dann hat mir ihr Geruch recht schnell klargemacht, warum sie Stinkfrucht heißt. Mit Stacheln und Gestank wehrt sie sich ganz gut gegen das gegessen Werden.

Mir gefällt übrigens, dass man hier so oft Selbstbauessen bekommt und sich die Suppe mit Limetten, Zwiebeln, Knoblauch und Chili noch selber verbessern darf. Hat bei der hier aber auch nichts mehr geholfen.

Auch ein paar neue Freunde habe ich hier im Königreich gefunden. Die hier war besonders laut.

Dafür waren die alle ein bisschen düster.

Und der hier hatte leider schon eine Freundin.

.

Am Ende habe ich in Chiang Mai sogar noch den König von dem Königreich hier getroffen. Den habe ich mir irgendwie cooler vorgestellt. So mit Bart und Krone. Ein bisschen Glitzerzeugs hat er immerhin, echte Freunde werden wir aber wohl trotzdem nicht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf dem Weg raus aus dem Königreich habe ich dafür noch diesen glitzernden Typen getroffen. Der saß in Chiang Rai, kurz vor der laotischen Grenze herum.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und hinter ihm stand ein ganz schön schöner und ganz schön weißer Tempel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bei näherem Hinsehen war der aber auch etwas gruselig. Die Trollmama hat mich aus dem Händemeer vor dem Eingang gerade noch rechtzeitig rausgezogen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es gab jedoch auch freundlichere Wesen am weißen Tempel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und… Glitzerbäume! Die haben mir sehr gut gefallen, oh ja, oh ja!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und dann durfte ich ein Glitzerblatt an einen dieser Glitzerbäume hängen. Die Trollmama hat mir das gekauft und mir beim Übersetzen auf Englisch geholfen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Da hängt es, mein Glitzerblatt.

Mit einem Glitzerblatt habe ich mich also aus dem Königreich des Nordens verabschiedet. Seitdem bin ich in einem sehr grünen Land voller Wasser.

Jetzt bin ich auch schon langsam auf dem Endspurt meiner großen Reise. Noch 22 Tage.

Aber wie ich dem Glitzerbaum auch schon erzählt habe: Das Leben ist und bleibt eine einzige große Reise. Und die nächsten drei Wochen geht meine Lebensreise auch noch hier durch Südostasien und beschert mir und euch weitere Bilder und Geschichten…

Anton Glitzerblatttroll

Loi Krathong

Vergangene Woche gab es hier in Chiang Mai ein großes Leuchtefest.

Chiang Mai, das ist die Stadt in Thailand, in der ich mit meiner Trollmama vor mittlerweile zwei Wochen gestrandet bin und in der die Trollmama diese lustigen Verrenkungen und das Menschen mit den Daumen Pieksen lernt, das sie „Thaimassage“ nennt. Auch das ist sehr interessant anzugucken, aber eigentlich will ich euch lieber etwas über das Leuchtefest erzählen. Das guckt sich nämlich noch ein bisschen schöner an als das Thaimassieren.

Loi Krathong nennen die kleinen Thailänder dieses Fest und schon ein paar Tage vorher ist die ganze Stadt ganz aufgeregt. Loi bedeutet schwimmen oder schweben und ein Krathong ist ein kleines Boot mit einer Kerze und Räucherstäbchen drauf. Das Boot kann man dann angezündet (natürlich nur an den Spitzen der Kerzen und Räucherstäbchen) in einen Fluss setzen und dann schwimmt es weg und mit ihm aller Ärger und aller Trollgroll und alle dunklen Seelenflecken. Wir haben das aber am Anfang nicht richtig verstanden und haben auf unsere Krathongs auch noch Wünsche gepackt. Hoffentlich sind sie mit dem zusätzlichen Wunschgewicht nicht untergegangen.

In der Thaimassageschule von der Trollmama haben wir an den Tagen vor dem Fest in der Mittagspause genau solche Krathong-Boote gebastelt, aus Bananenblättern und Blumen, die man an eine Holzscheibe rantackert. Zum Glück war ich an diesen Tagen als Besuch dabei und konnte mich ein bisschen nützlich machen.

Die fertigen Boote sahen dann so aus:

Oder so. Die hier unten haben wir aber gekauft, die Trollmama und ich. Also, ehrlich gesagt hat die Trollmama sie bezahlt.

Abends haben wir schließlich alle drei Krathongs, das gebastelte und die zwei gekauften, ins Wasser gesetzt und sie mit ihrer Ladung aus Wünschen und Seelenflecken schwimmen gelassen. Soweit ich sie noch sehen konnte, sind sie auch tatsächlich an der Oberfläche geblieben. Gut, dass ich einen relativ leichten Wunsch drauf gesetzt habe.

Außer dem Boote schwimmen lassen gab es aber in Chiang Mai noch ein paar andere Rituale zu Loi Krathong. Zum einen gab es überall Laternen und alles war schön verziert, vor allem die Klöster und Tempel (und davon gibt es hier in Chiang Mai einige, das kann ich euch sagen!). Zum anderen habe ich diverse glitzernde Paraden durch die Stadt ziehen sehen und viele Mönche beobachtet, die rumgelaufen und rumgestanden sind, um Spenden von den feiernden Menschen entgegen zu nehmen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das allermagischte an dem Loi Krathong Fest war die Laternennacht. Die Laternen machen im Prinzip das gleiche wie die Krathongboote. Sie nehmen die dunklen Seelenflecken mit in den Himmel. Diesmal war ich auch vorsichtig und habe keinen Wunsch mit drauf geladen. Nicht, dass am Ende alles wieder auf mich herunterfällt, habe ich mir gedacht.

Ich kann euch sagen, an diesem Abend waren einige dunkle Seelenflecken unterwegs. Ich bin mir nicht ganz sicher, was mit denen passiert, wenn die Laternenfeuer ausgehen und die Papierleichen wieder Richtung Erde segeln. Möglicherweise ist das Ganze nämlich einfach nur ein großer Seelenfleckenaustausch. Vielleicht habe ich jetzt die von der Trollmama und sie hat meine. Oder wir haben alle beide neue thailändische Seelenflecken. Hoffentlich nur ein paar kleine, von den thailändischen Mönchen. Hmm… und vielleicht hat der Herr Buddha auf dem Bild schon bald meine Seelenflecken? Naja, die Mönche in dem Kloster werden es schon merken, wenn er sich auch einmal seltsam benimmt und anfängt ihnen kleine Streiche zu spielen. Hihi.

Ach ja, das Ganze findet übrigens bei Vollmond statt. Ich vermute, damit man schönere Bilder mit Mond machen kann.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier seht ihr, wie ich meine Seelenflecken in die Luft schicke. Weil die Laterne mich beinahe mit kompletter Seele und dazu gehörigem Trollkörper mit in die Luft genommen hätte, habe ich mir ein paar Hilfshände besorgt.

Da fliegen sie, meine Seelenflecken…

Und ich bin einen Moment lang wieder ganz frei. Zumindest so lange, bis die Flecken aus einer dieser vielen Laternen auf meinem Kopf landen und sich neu auf meiner Seele niederlassen.

Vielleicht ist aber beim Leuchtefest tatsächlich keine Laterne über mir ausgegangen. Seit dem Fest letzte Woche ist nämlich kein einziger meiner schlechten, trollischen Charakterzüge zu mir zurückgekehrt und ich habe auch noch keine neuen, fleckenhaften Eigenschaften an mir entdecken können. Ich bin ausgeglichen wie nie, verspüre keinen Neid mehr auf andere Menschen und Trolle, wenn sie von tollen Reiseerlebnissen erzählen, und lasse mich durch nichts, aber auch gar nichts, stressen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur ein paar besonders gute Lügenflecken abgekriegt…

 

Anton Laternentroll

 

Lieber Atemberaubende Orte Sehen…

… als sich ein paar alte Steinhaufen zueigen machen. Zu dem Entschluss bin ich vorletzte Woche nach einigem Nachdenken mit meinem kleinen Trollkopf gekommen. Also habe ich die Angkore nun doch Angkore und keine An Tone sein lassen und bin wieder ein Stückchen weitergereist.

Dreimal dürft ihr raten, wo ich war. Das Land habe ich aber mittlerweile auch wieder in einem schönen, bunten Nachtbus verlassen.

Und wenn ich in meinem stressigen Reiseleben mal wieder etwas Zeit dazu habe, erzähle ich euch ein bisschen mehr über dieses Land. Für heute erzählen aber erst einmal nur meine Bilder die atemberaubende Trollreisegeschichte weiter.

Anton Reisetroll

Angkore

Da bin ich wieder. Die Trollmama und ich sind tatsächlich noch einmal ein bisschen schweinsgaloppiert die letzten Tage und haben erneut das Land gewechselt. Aktuell, seit heute Morgen, sind wir in Chiang Mai in Thailand.

Ich kann es aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, euch etwas über Laos oder Thailand zu erzählen, bevor ich nicht etwas über diese unglaublich großen und auch außerordentlich hübschen Steingebilde geschrieben habe, die wir im Norden von Kam Bod Scha gefunden haben.

Angkore hießen die. Es gab ein Angkor Thom und ein Angkor Wat und dann gabs noch ein paar verstreute Tas, wir haben uns für das Ta Nei entschieden. Am Ende waren eigentlich alles alte Steinhaufen, aber irgendwie hat es sich trotzdem sehr besonders angefühlt, zwischen diesen Steinhaufen herumzulaufen und sie von unten bis oben anzugucken. Und da hatten meine kleinen Trollaugen Einiges zu gucken, das sag ich euch!

Angkor heißt übrigens ganz einfach „Stadt“ auf Khmer. Khmer, das ist die Sprache, die die damals in Kam Bod Scha gesprochen haben und heute noch sprechen. Ungefähr so groß wie Städte waren diese Steinansammlungen auch. Das haben die Herren und Frauen Khmer schon ganz richtig benannt.

Weil wir von anderen reisenden Menschen gehört haben, dass es da bei diesen Angkoren besonders schöne Steine und vor allem besonders schön kombinierte Steine gibt, haben wir uns also in der nahen Stadt Siem Reap einen Herren Tuktukfahrer angeheuert, damit der uns dort hinfährt und wir auch mal gucken können, ob uns das gefällt. Selbiges hat der Herr Tuktukfahrer auch bereitwillig gemacht (unterstützt von einem kleinen Geldversprechen unsererseits) und uns um vier Uhr morgens abgeholt, weil er meinte, das wäre eine gute Zeit, um mit dem Besichtigen anzufangen. Erst hab ich das nicht verstanden, weil es um vier Uhr Früh noch ganz schön dunkel war. Und zumindest Trolle tun sich bei Dunkelheit mit dem Besichtigen schwer.

Hier war es tatsächlich schon heller. Aber im Dunkeln konnte ich natürlich auch kein Foto vom Herrn Tuktukfahrer machen.

Aber bald habe auch ich das Ganze verstanden. Weil unser Herr Tuktukfahrer und wir so früh aufgestanden sind, waren die Trollmama und ich pünktlich zum Sonnenaufgang ganz alleine am Aussichtspunkt am See der Wat-Stadt. Weil alle anderen faulen Reisemenschen zu der Zeit noch geschlafen haben. Da konnten wir dann zu zweit die morgendliche Stille genießen – und das mit Ausblick auf das Wasser und die beeindruckenden Tempeltürme, die sich darin gespiegelt haben. Das war schon ganz schön beeindruckend.

Haha, das mit den schlafenden Reisemenschen hat keiner geglaubt, oder? Leider hatten nämlich doch ein paar von denen eine recht ähnliche Idee wie wir. Wie man hier ganz gut sehen kann.

Und die Reisemenschen auf dem Foto wollten danach alle, genauso wie wir, in diesen Wat-Tempel hinein. Ich habe mir in Erwartung eines unangenehmen Nahkampfs schonmal vorsorglich die Ärmel meines Ringelpullis hochgekrempelt und meinen gefährlichen Trollblick aufgesetzt.

Aber Trollblick, Trollfäuste und Trollellbogen habe ich am Ende gar nicht gebraucht. Wir haben nämlich recht schnell nach Betreten des Tempels einen Trick herausgefunden. Der heißt: „rechts abbiegen“ oder wahlweise auch „links abbiegen“. Und auf einmal war kein Tourist mehr zwischen diesen ganzen schönen Steinen zu sehen. Außer natürlich eine Trollmama und ein Reisetroll. Hihi.

So wie hier.

Oder hier.

Oder hier.

Oder hier.

Oder auch hier (es hat sich aber doch einer versteckt, ganz hinten).

Ein paar Einheimische haben wir aber auch hinter den Ecken getroffen. Die meisten waren entweder am Meditieren oder am Kämpfen.

Und ein paar sind auch einfach halbnackt herumgestanden. Vornehmlich Frauen.

Einige sind aber auch bunt angezogen herumgesessen. Das waren wiederum ausschließlich Männer.

Und ein Einheimischer war eine Katze. Ob Herr oder Frau Katze, weiß ich allerdings nicht.

Auf jeden Fall hatten diese Khmer-Menschen in der Vergangenheit ganz offensichtlich das ein oder andere gute Steinmesser zur Hand und haben damit wirklich schöne Muster in ihre Steine geschnitzt.

So einen Khmer-Steinschnitzer hole ich mir auch mal für mein An Ton. Und dann kann ich lauter kleine Anton-Bilder in die Säulen und Wände meiner Stadt hineinschnitzen. Vielleicht auch hin und wieder eine herumstehende Frau.

Ist euch eigentlich beim Namen des zweiten Angkors, das wir uns angeschaut haben, etwas aufgefallen? Mir schon!  An Ton… An Thom… An Gkor Thom… Vielleicht hab ich schon ein passendes Plätzchen für mich gefunden. So sieht es aus. Leider schon wieder voll mit diesen ganzen lästigen Touristen. Die verscheuche ich aber nach der offiziellen Umbenennung.

Für mein Steingesicht auf jedem Gebäude braucht es auch nicht mehr viele Änderungen mit dem Steinmesser. Vielleicht wären ein paar spitze Ohren hier und da angebracht.

Einen Platz für meinen Thron hab ich auch schon..

Und ein Reiseführer, den ich heimlich belauscht habe, hat seinen Touristen erzählt, dass ursprünglich auf all diesen Säulen im Haupttempel von Angkor Thom Vishnus eingeschnitzt waren. Die hat man dann aber rausgekratzt, weil sich die Herren und Frauen Khmer zu der Zeit nicht ganz einig waren, welche Religion sie jetzt eigentlich haben wollen. Statt der Vishnus wurden schließlich Buddhasymbole in den Stein geschnitzt. Ich bin aber zuversichtlich, dass man das auch noch einmal ändern kann.

Auf jeden Fall gefällt es mir jetzt schon recht gut in meiner Tempelstadt. Die Frau darf bleiben.

Der Herr Buddha mit seinen vielen Kerzen und ein paar seiner Säulen auch.

Und falls ihr euch wundert, warum ich erst von Städten gesprochen habe und jetzt immer nur Tempelbilder zeige: Die anderen Gebäude der Städte waren zu den Khmer-Zeiten aus Holz. Deswegen sind die nicht mehr da. In den Steinhaufen durften nur die Götter wohnen und das sind auch die einzigen Haufen, die es heute noch zu sehen gibt.

Auch die Umgebung meiner Tempelstadt gefällt mir übrigens außerordentlich gut. Riesenbäume…

… Riesensteine…

… und Minielefanten. Was will Troll mehr?

Nach Angkor Thom haben wir uns dann schließlich noch den Ta Nei angeguckt. Ta bedeutet so viel wie „Ahne“ und der Ahne Nei ist bisher nicht wirklich restauriert, nur ein bisschen abgestützt worden und kämpft auch aktuell noch mit dem Dschungel um ihn herum. Das macht ihn aber auch besonders schön.

 

Den Ahnen Nei würde ich zu Ehren der Trollmama in Tro Ma Ma umbenennen und ihn danach gerne als Abenteuerspielplatz verwenden.

Ja, das würde mir schon durchaus gefallen, zwischen diesen ganzen Steinhaufen mein nettes, kleines An Ton zu errichten… Ich zieh ich mich dann mal zurück in mein stilles Kämmerchen und fange an, Pläne für erste Umbenennungen und Touristenvertreibungen zu schmieden. In meinem nächsten Artikel werde ich euch berichten, wie weit ich gekommen bin.

An (Gkor) Thon

 

 

 

 

 

 

 

Kriegsmonster und Foltertrolle

Mittlerweile bin ich nun durch das dunkle Land Kam Bod Scha schon wieder durchgereist, im Schweinsgalopp auf dem Rücken der Trollmama sozusagen. Die Trollmama und ich haben es nämlich ein kleines bisschen eilig, weil die Mama sich für einen Thaimassagekurs in Chiang Mai in Nordthailand , angemeldet hat und den sollten wir möglichst auch dann besuchen, wenn er stattfindet. Jetzt haben wir also das dunkle und nasse Land, das am Ende gar nicht mehr so dunkel und nass war, in wahnsinnig schnellen vier Tagen durchreist. Und sind, als wir wieder gebremst haben, in Laos herausgekommen. Allerdings sind wir hier schon knapp hinter der Grenze wieder stecken geblieben, auf einer der ringsrum verstreuten 4000 Inseln im Mekong Fluss. Weil es hier so schön ist. Und so entspannt. Und auch, weil der Schweinsgalopp ganz schön anstrengend war und wir uns jetzt doch eine kleine Pause gönnen. Schweinsgaloppieren kann man nämlich nicht so lange am Stück.

Im Moment sitzen wir bei der etwas verrückten laotischen „Mama Piang“ auf der Terrasse am Mekong und beobachten die vorbeiradelnden Touristen und die fischenden Fischer um uns herum, während wir laotischen Kaffee und Mangoshakes schlürfen. Außerdem durften wir gerade erleben, was der Zusatz „Happy“ vor den Getränken auf der Karte von Mama Piang bedeutet. Ein etwa 50-jähriger Mann mit John-Lennon-Brille und Kopfhörern in den Ohren hat sich nämlich gerade einen Happy Banana Shake zum Frühstück gegönnt und danach stand er eine Weile hier herum und hat wirres Zeug gefaselt. Jetzt ist er wieder weg und ich bin mir nicht sicher, ob so ein Happy Drink auch was für mich wäre. Wirres Zeug fasel ich glaube ich eh schon genug.

Weil ich jetzt hier auf meiner Insel also ein bisschen Zeit zum Entspannen, Nachdenken und Tippen habe, will ich euch gerne ein bisschen was über die nicht so schönen Dinge erzählen, die ich in Süd Viet Nam und Kam Bod Scha gelernt habe und die mich auf eine Art auch ganz schön beeindruckt haben. Da ging es nämlich viel um ein fieses Monster namens Krieg. Und das Kriegsmonster ist etwas, das kennt ein kleiner, fröhlicher Reisetroll, wie ich das bin, so gar nicht. Dem bin ich bisher noch nicht begegnet und zum Glück hab ich auch diesmal nicht das Monster persönlich kennengelernt, sondern nur die Geschichten, die es hinterlassen hat.

Ich weiß auch gar nicht, ob ich euch nun die Geschichten genau so erzähle, wie sie wirklich abgelaufen sind. Ich war ja – zum Glück – nicht dabei. Aber ich erzähle euch ein paar Geschichten, auf die sich anscheinend viele der Leute geeinigt haben, die dabei waren. Und die haben sie dann wieder anderen Leuten erzählt, die Museen gebaut haben und die Geschichten darin aufgeschrieben und aufgemalt haben. Und in diesen Museen habe ich sie mir dann angeguckt und erzähle euch jetzt, was ich davon noch weiß. Hört sich nicht so verlässlich an, oder? Aber so halbwegs wird es schon noch etwas mit dem, was wirklich passiert ist, zu tun haben. Auch wenn ich euch vielleicht ganz andere Geschichten erzählen würde, wenn ich sie mir von anderen Menschen erzählen hätte lassen, die dem gleichen Kriegsmonster, aber von einer anderen Seite, begegnet sind. Zum Beispiel von den amerikanischen Politikern und Soldaten der 60er Jahre oder von den Roten Khmer der 70er Jahre. Und am Ende dürft ihr euch natürlich auch wieder aussuchen, was ihr euch von den Geschichten, die ich euch erzähle, merkt und wieder anderen weitererzählt. Ich glaube, so funktionieren Geschichten. Oder so funktioniert das, was ihr Menschen „Geschichte“ nennt.

Eigentlich will ich euch zwei verschiedene Geschichten erzählen, eine aus Viet Nam und eine aus Kam Bod Scha. Auf den ersten Blick haben die auch nicht so viel miteinander zu tun. Aber am Ende haben, glaube ich, viele Dinge, die das erste Kriegsmonster verursacht hat, das zweite Kriegsmonster erst richtig gefüttert und stark werden lassen.

In Viet Nam bin ich den Hinterlassenschaften des ersten Kriegsmonsters in Sai Gon begegnet. Da hab ich mir ein Museum und ein paar Tunnel angeschaut. Klingt erstmal ganz nett.

Die Cu Chi Tunnel, die ich mit einem verrückten Ägypter und der Trollmama besucht habe, waren allerdings die Überbleibsel der Tunnel, in denen sich die Bevölkerung in und um Cu Chi vor den Bomben und den Bodentruppen der amerikanischen Soldaten versteckt haben, die ihnen von 1960 bis 1975 ihr vietnamesisches Leben schwer gemacht haben. Warum die alle diesen Krieg überhaupt angefangen haben, weiß ich nicht so genau. Die Amerikaner wollten die Kommunisten nicht, die Vietnamesen in den Tunneln und auch anderswo wollten die Amerikaner nicht, die Chinesen und die Sowjetunion wollten die Kommunisten schon und haben ihnen deswegen Waffen gegeben, die Franzosen hatten mal Viet Nam und wollten es gerne wieder, die Viet Namesen wollten zum Teil den Kommunismus und zum Teil einfach Frieden und zum Teil keine neue französische Herrschaft und zum Teil die bösen amerikanischen Feinde vertreiben. Ganz schön viele, die was wollten oder nicht wollten. Und vor allem ganz schön viele, die gerne Macht über irgendwen oder irgendetwas haben wollten.

Ich habe das Gefühl, Macht ist das Lieblingsessen von Kriegsmonstern.

In den Cu Chi Tunneln, die die Viet Namesen zum Teil schon vor den Kämpfereien mit den Amerikanern gebaut hatten, um sich bei den vorhergehenden Kämpfereien gegen die Franzosen zu verstecken, haben sich die Viet Namesen und deren kommunistische Kämpfer, die Viet Cong, auf drei Ebenen von Tunneln und unterirdischen Räumen eingerichtet. Von da aus haben sie die amerikanischen Soldaten angegriffen, die sich ein Stückchen neben ihnen, aber über der Erde, eingerichtet hatten.

Als die Trollmama und ich die Tunnelgedenkstätte besucht haben, haben wir natürlich die vietnamesischen Geschichten gehört. Die sagen, dass die Viet Namesen die schlaueren und die tapfereren Kämpfer waren. Deswegen haben sie die Amerikaner auch besiegt, obwohl die Amerikaner eigentlich besser ausgestattet waren. Das haben die Viet Namesen aber mit ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Schlauheit wettgemacht.

Hier seht ihr ein paar der Bomben, die die Amerikaner damals auf die Viet Namesen geworfen haben und die zum Glück aber nicht explodiert sind. Zum Glück auch nicht, als ich reingeguckt habe.

Und so sahen die Kämpfer und Kämpferinnen des Viet Cong damals aus. Der Führer hat betont, dass die vorher alle einfach Bauern waren und nicht als Soldaten ausgebildet worden sind.

Und hier ein Tunneleingang. Ganz schön gut getarnt, oder? Für mich war das auch recht einfach, da reinzusteigen. Für andere Mitglieder unserer Reisetruppe schon schwieriger. Aber am Ende haben es alle geschafft, rein und wieder raus zu kommen.

Und so sah es drinnen aus. Die Trollmama musste im Entengang gehen und die noch größeren Menschen der Gruppe auf allen Vieren. Für mich war es leicht. Und für die kleinen Viet Namesen wahrscheinlich auch. Unser Führer meinte, für die amerikanischen Soldaten war es besonders schwierig, weil die so groß waren und dann auch noch so viel Ausrüstung dabei hatten, dass sie eigentlich nicht durchpassen konnten. Da ist was dran an der Schlauheit der Viet Namesen.

Aber brutal waren sie auch, die Viet Namesen. Die haben nämlich zahlreiche Fallen mit spitzen Bambusstöcken für die Amerikaner gebaut. In den Tunnels und auch draußen um die Tunnels rum.

Und für sich selber haben sie auch ein paar Zimmer unter der Erde gebaut. Ohne spitze Bambusstöcke allerdings. Hier berate ich mich gerade mit den Viet Congesen über die weiteren Aktionen, die wir gegen die bösen Amerikaner einleiten wollen. Es gab aber auch einen Krankenhausraum und Küchen und sogar einen Kinoraum. Wie eine echte Stadt also. Nur unter der Erde. Ich war ganz schön beeindruckt. Ob ich einen Teil von An Ton auch unter der Erde bauen sollte?

Und zum Schluss gab es noch ein paar Bilder aus der Zeit von damals. Von Viet Namesischen Soldatinnen, zum Beispiel. Die mussten nämlich auch mithelfen, die Amerikaner zu töten und haben das laut den Viet Namesen auch recht gut gemacht.

Und hier stecken diese Frauen gerade spitze Bambusstöcke in eine Amerikanerfalle.

Es gab auch Orden für die Menschen, die die meisten Amerikaner getötet haben. Die wurden dann gefeiert. Für außerordentliche Schlauheit und Tapferkeit.

Ganz am Ende unseres Rundgangs durch die Tunnels gab es dann noch was zu Essen für uns Besucher. Das haben die im Tunnel wohl auch immer gegessen. Schmeckt wie eine Mischung aus Kartoffeln und Bananen. Vielleicht hilft das auch, klein zu bleiben, damit man weiter durch die Tunnel passt. Bin zumindest seit dem Essen kein Stück gewachsen.

Nach den Tunnels bin ich mit der Trollmama dann auch noch ins War Remnants Museum in Saigon gegangen. Die Bilder davon spare ich mir jetzt hier, aber die haben meine Trollseele auch ganz schön durchgerüttelt. Da gibt es Fotos von Menschen, die gerade andere Menschen töten. Oder von Menschen, die fünf Sekunden später von anderen Menschen getötet wurden. Und viele Geschichten und Bilder von ganzen Dörfern, die ausgelöscht wurden, Menschen, die gefoltert wurden und Viet Namesen, die auch heute noch darunter leiden, dass ein paar amerikanische Flugzeuge Gift über Viet Nam geschüttet haben. Und das Gift macht nicht nur den Überlebenden das Überleben schwer, sondern auch ihren Kindern, weil irgendwie kommt das Gift manchmal auch noch bis in die hinein. Im Museum haben sie uns ganz viele Fotos von Kindern gezeigt, die nicht in die richtige Form wachsen konnten, weil ihnen ihre Eltern ausversehen dieses Gift mitgegeben haben.

Wer jetzt am Ende den Krieg zwischen den Viet Namesen und den Amerikanern gewonnen hat, weiß ich auch nicht so richtig.

Ich kann auch gar nicht verstehen, warum Menschen diese Kriegsmonster immer wieder auf die Welt bringen müssen. Für so ein kleines bisschen Macht. Ich habe sowieso die leise Vermutung, dass Macht auch nicht immer so etwas Schönes ist. Ich glaube, die kann einen auch ganz schön stressen. So wie den Herren Pol Pot in meiner nächsten Geschichte. Und leiden mussten auch wieder die Kleinen und Schwachen Kam Bod Schaner, nur weil der Herr Pol Pot ein bisschen Angst um seine Macht gekriegt hat. Damit hat er dann das zweite Kriegsmonster ganz ordentlich gefüttert.

Bevor sie unter Pol Pot leiden mussten, mussten die Menschen in Kam Bod Scha aber auch erst einmal mit unter der Bombardierung durch die Amerikaner leiden. Die Bomben konnten nämlich nicht so gut Karten lesen, da ist schon mal was daneben gegangen. Oder vielleicht wollten die Amerikaner einfach auch ganz sicher gehen, dass wirklich nirgendwo da unten mehr jemand ist, der ihnen Bambusspitzenfallen bauen kann.

Dadurch, dass die Amerikaner so viele Bomben geworfen haben, ohne dass ihnen die Kam Bod Schaner wirklich etwas getan hatten, haben sich nach und nach einige wütende Kam Bod Schaner zusammengetan und sich Rote Khmer genannt. Rot, weil sie im Land Kam Bod Scha gerne eine Art des schon viel erwähnten Kommunismus einrichten wollten und Khmer, weil das die größte Volksgruppe in Kam Bod Scha ist. Die waren mal ganz schön mächtig, die Khmer, und haben zum Beispiel die Tempel von Angkor Wat gebaut, die ich euch noch ein anderes Mal zeigen werde. Die Roten Khmer haben aber nicht so viel gebaut, die haben mehr zerstört. Auch viele Dinge, die die unroten Khmer vor ihnen gebaut haben.

Der Herr Pol Pot, den ich oben erwähnt habe, war übrigens ihr Anführer. Und wenn ich das richtig mitbekommen habe, hat den auch nach seiner Absetzung als Diktator lange Zeit niemand richtig behelligt, und als sie angefangen haben ihn zu behelligen, ist er schnell von selbst gestorben. Manche sagen, er hat da sogar ein bisschen nachgeholfen dabei.

Der Herr Pol Pot war ein eigentlich ganz gebildeter Mann, der in Frankreich studiert und als Kind sogar mal in einem buddhistischen Kloster gewohnt hat. Er hat irgendwann angefangen, den Herrn Mao ganz toll zu finden und wollte gerne in Kam Bod Scha was ähnliches veranstalten, wie der Herr Mao das in China gemacht hat. Das hat er dann auch getan.

Sein Ziel war es, sämtliche soziale Klassen aus seiner Gesellschaft hinauszuwerfen, so dass es nur noch eine gibt, also alle Menschen gleich sind und keiner über den anderen Macht hat. Ich glaube, er hat da ein bisschen geschummelt. Mein starker Eindruck ist nämlich, dass der Herr Pol Pot und seine Freunde von Anfang bis Ende über so ziemlich alle anderen in ihrer Gesellschaft die Macht hatten. Außerdem hat er trotz seiner eigentlich ganz netten Anfangsidee am Ende doch wieder Klassen geschaffen, nur diesmal andere als vorher. Erst einmal hat der Herr Pol Pot versucht, eine große Klasse nur aus Bauern zu schaffen. Das war nämlich seine Lieblingsklasse, obwohl er selber doch vor seiner eigenen Revolution als Lehrer gearbeitet hat.

Er hat das zum Einen dadurch gemacht, dass er alle Kam Bod Schaner, die in Städten lebten, gezwungen hat, die Städte zu verlassen und in den Dörfern, aus denen ihre Vorfahren kamen, Reisbauern zu werden. Natürlich waren aber die Reisbauern, die vorher schon in den Dörfern gewohnt haben, irgendwie cooler, als die, die aus den Städten dazu kamen. Die ersten waren das „Alte Volk“, die anderen das „Neue Volk“. Das coolere Alte Volk hatte es dementsprechend ein bisschen besser, die hatten sich ja von Anfang an die richtige Klasse ausgesucht. Außerdem hat der Herr Pol Pot die Menschen, die ihm am gefährlichsten schienen, sein neu ausgedachtes Klassensystem zu gefährden – also alle Lehrer, Gebildeten und Kaufleute – erst einmal umgebracht. Das klingt nach einer recht einfachen Lösung und spätestens jetzt hätte sich der Herr Pol Pot ja auch sicher fühlen und seine (fast) einklassige Gesellschaft genießen können.

Aber leider hat ihn seine Macht auch ein bisschen krank in seinem Kopf und zu einem Sklaven seines eigenen Kriegsmonsters gemacht. Er hat überall nur noch Feinde gesehen und dementsprechend hat er nach und nach noch viel mehr Leute umbringen lassen – im Prinzip jeden, der mal ausversehen etwas getan oder gemacht hat, was bedeuten hätte können, dass er den Herrn Pol Pot nicht mag. Manchmal hat er auch Menschen einfach so festnehmen lassen und die mussten sich dann Geschichten ausdenken, was sie falsch gemacht haben. Wenn sie keine Geschichte wussten, wurden sie getötet. Wenn sie welche wussten, meistens auch. Und damit die Menschen ganz generell nicht so viel zum Nachdenken kommen, ob sie den Herrn Pol Pot mögen oder nicht, hat er sie immer mal wieder in andere Dörfer umgesiedelt, hat Familienmitglieder voneinander getrennt und hat alle richtig hart im Reisanbau arbeiten lassen und ihnen möglichst wenig zum Essen gegeben.

Bis zu drei Millionen von ursprünglich acht Millionen Kam Bod Schanern hat der Herr Pol Pot so schließlich in weniger als fünf Jahren direkt oder indirekt umgebracht. Ich bin mir nicht sicher, ob er nicht vorhatte, am Ende der einzige übrige Kam Bod Schaner zu sein. Dann hätte er endlich in Ruhe ein bisschen Reis anbauen und gleichzeitig Machthaber und die einzige soziale Klasse des Landes sein können. Und das Kriegsmonster hätte Ruhe gegeben.

Bevor es so weit kam, haben aber doch irgendwann die Viet Namesen aus dem Nachbarland eingegriffen. Die waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr mit Amerikaner Verprügeln beschäftigt, mussten sich aber stattdessen mit Angriffen der Roten Khmer rumschlagen. Das wurde ihnen dann irgendwann zu bunt (oder zu rot…) und sie haben Phnom Penh erobert und eine Regierung eingesetzt, die netter zu ihnen als war, als die Roten Khmer zuvor.

Puh, ganz schön schwierig und kompliziert, das alles zu erklären. So viel musste ich ja noch nie schreiben in einem meiner Artikel. Und weil ich jetzt langsam ein bisschen schreibemüde bin und meine Geschichten auch schon fast erschöpft sind, zeige ich euch jetzt noch die Bilder, die ich zu den Geschichten vom zweiten Kriegsmonster gemacht habe.

Wir haben in Phnom Penh zunächst ein Museum besichtigt, das früher das Gefängnis S-21 der Roten Khmer war und ganz früher, also vor den Roten Khmer, eine einfach Schule. Sieht heute eigentlich ganz nett aus, oder?

Diese Regeln gelten zum Glück heute nicht mehr.

Hier seht ihr eine Gemeinschaftszelle, früher ein Klassenzimmer. Zu Zeiten der Roten Khmer gab es darin bis zu 40 Gefangene, die nebeneinander mit Fußfesseln fixiert auf dem Boden lagen und nur abgeholt wurden, um sie zu befragen oder zu foltern (meistens beides). Beliebte Foltermethoden waren: Aufhängen über Kopf, bis sie ohnmächtig wurden und dann mit Gestank wieder aufwecken, Finger- und Zehennägel ausreißen und Salzwasser oder Alkohol über die Wunden kippen, zum Essen von menschlichen Exkrementen zwingen, ein Tuch über den Kopf machen und Wasser draufkippen, so dass sie nicht mehr atmen können oder einfach so lange verprügeln, bis sie bewusstlos sind. Da müssen ein paar Trolle beteiligt gewesen sein, anders kann ich mir das nicht erklären.

Es gab auch Einzelzellen, so wie die hier. Bin mir aber nicht sicher, ob das die bessere Art der Unterkunft war.

Das Drahtnetz, das ursprünglich vor den Balkonen der Häuser aufgespannt war, war zum einen da, damit keiner flüchtet und zum anderen, damit sich keiner der Gefangenen freiwillig das Leben nimmt. Das wollten die Soldaten der Roten Khmer schon selbst machen.

Und zwar auf den „Killing Fields“, der zweiten Gedenkstätte, die ich mit der Trollmama angeguckt habe. Dahin wurden die Gefangenen aus S-21 mit Lastwägen gefahren und dann gleich direkt entladen und umgebracht. In den letzten Jahren der Roten Khmer-Herrschaft gab es schließlich einen dunklen Schuppen, in den die Gefangenen zuerst gebracht wurden, weil es zu viele pro Lastwagenladung waren, um sie alle sofort umzubringen. Aber natürlich wurde auch der Schuppen dann so schnell wie möglich geleert.

Hier der Eingang zur Gedenkstätte. Vor der Umfunktionierung zu den „Killing Fields“ war das Gelände ein einfacher Friedhof der örtlichen Chinesischen Gemeinde. So sehr umfunktioniert wurde es also gar nicht. Nur dass die Menschen auf dem ersten Friedhof erst ankamen, als sie schon tot waren.

Auf den Killing Fields wurden die Menschen unter diesem Baum erschlagen – es gab verschiedene Varianten von Hacke über Bambusstock bis zur Machete. Kugeln waren zu teuer. Manchmal wurde noch zur Sicherheit die Kehle durchgeschnitten. Oder auch dafür, dass die Opfer nicht mehr schreien konnten.

Während der Hinrichtungen spielte unter dem Hinrichtungsbaum laute Musik aus Lautsprechern, meistens kommunistische Volkslieder. Die Musik war wohl dazu da, den Nachbarn der Killing Fields, die keine Ahnung hatten, was sie da benachbarten, vorzugaukeln, es gäbe hier einfache Parteizusammenkünfte. Und auch um niemanden die Schreie derjenigen hören zu lassen, deren Kehlen noch nicht durchgeschnitten waren.

Das ganze Gelände war zu der Zeit ein einziges Massengrab. Und ist es heute noch. Viele der Leichen wurden ausgegraben und in Gedenkstätten untergebracht, aber es sind zu viele (insgesamt um die 30.000), um das mit allen zu machen. Bei jedem Regenguss werden erneut Knochen- und Schädelsplitter sowie Kleidungsstücke der Getöteten an die Oberfläche gespült.

Daher auch der eher makabere, aber durchaus berechtigte Hinweis:

Die Knochen- und Kleidungsstücke werden regelmäßig eingesammelt und in Glaskästen auf dem Gelände ausgestellt. Man beachte die lila Kinderhose links unten im Glaskasten.

Erst kürzlich gefundene Zähne und Knochenreste liegen auf den Kästen herum.

Einer der schlimmsten Orte auf dem Gelände ist der Baum, an dem die Babys und Kleinkinder umgebracht wurden, die auf die Killing Fields gebracht wurden. Für die brauchte man keine Hacke oder Machete, bei denen hat es gereicht, sie an den Füßen zu packen und so lange mit dem Kopf gegen diesen Baum zu schlagen, bis sie sich nicht mehr bewegt haben. Der Baum hatte, als er ursprünglich entdeckt wurde, dunkle Flecken vom Hirn und Blut der Kinder, durchsetzt mit Schädelsplittern und Haarbüscheln.

Auch wenn die Kinder wohl noch nicht viel gegen den Herrn Pol Pot haben sagen können, hat der es vorgezogen, lieber immer gleich ganze Familien ausrotten zu lassen. Dann bleibt nämlich keiner übrig, der später mal auf die Idee kommen könnte, den Tod seiner Eltern oder Geschwister zu rächen. Ein weitsichtiger Mann.

Heute hängen Unmengen an bunten Bändern als Zeichen des Gedenken an diesem Baum.

Die Trollmama und ich haben das schwarz-grüne Armband, das wir von unserer Gastmama in Sa Pa in Viet Nam bekommen haben, dazugehängt.

Neben dem Baum gab es auch noch ein kleines Häuschen ohne Wände, aber mit vielen Bändern und Blumen dran. Die Kam Bod Schaner glauben, dass in solche Häuschen die Seelen der Verstorbenen einziehen. Da ist es jetzt wahrscheinlich ganz schön voll drin.

Ganz am Schluss des Rundgangs über die Killing Fields steht eine große Pagode, die an die Tragödien der Vergangenheit erinnern soll und Frieden für die Zukunft anmahnt. In der Pagode sind auf den Killing Fields ausgegrabene Schädel gestapelt, zum Teil mit Erklärungen zum Alter und Geschlecht der Opfer und zur Art, auf die sie umgebracht wurden. Zu den Geschichten also, die die Schädel noch über ihre ehemaligen Besitzer erzählen können.

 

Soooo…. Das waren also meine Reisegeschichten für heute. Nicht so schöne diesmal. Aber welche, die mein kleines Trollherz ganz schön bewegt haben. Die müssen wohl auch manchmal sein.

Ich hoffe, ihr habt es durch die vielen Wörter und Bilder hindurch geschafft. Nächstes Mal mache ich es euch wieder einfacher!

Anton Geschichtentroll

 

 

 

Good Bye, Sai Gon !

Heute bin ich aus dem schönen, warmen Reisland wieder rausgefahren. In ein anderes warmes Land. Ob es schön ist und ob es auch Reis hat, weiß ich nicht. Bisher ist dieses Land nämlich sehr dunkel. Da sieht man nicht so viel. Wasser hat es aber, dieses neue Land. Das kommt hier von oben. Und nennen tut man das Land Kam Bod Scha.

Abschied aus Sai Gon. Auch mit Wasser von oben. Das kam aber zum Glück erst runter, als unser Bus losgefahren ist.

Meine Trollmama und ich sind, wie bisher eigentlich bei jedem Land, ein bisschen traurig, das schöne, warme Viet Nam hinter uns zu lassen. Wir haben noch ein paar zauberhafte Menschen aus verschiedenen Ländern getroffen und unglaublich viele schöne Dinge gesehen. Wenn ihr euch wundert, warum wir zuletzt nach Ho Chi Minh Stadt reingefahren und jetzt aus Sai Gon wieder rausgefahren sind: Die sind hier ein bisschen verrückt. Die Stadt hat nämlich zwei Namen. Sai Gon ist der, den alle benutzen, wenn sie reden. Und Ho Chi Minh Stadt ist der, der überall auf Schildern steht. Was das mit diesem Herrn Ho Chi Minh auf sich hatte, hab ich noch nicht ganz herausgefunden. Ich glaube, die wollten ihren eigenen Herrn Lenin und Herrn Mao haben, damit sie statt einem Russen oder einem Chinesen einen Vietnamesen überall aufhängen können. Besser für das Nationalgefühl. Deswegen haben sie jetzt einen Herrn Ho Chi Minh, dessen Kopf, wie bei den anderen beiden, auch überall im Land herumhängt. Und der Herr Ho Chi Minh wollte wohl auch gerne eine Stadt haben. Da hat er Saigon gekriegt. Ich bin mir auch noch nicht ganz sicher, ob er tatsächlich ein vietnamesischer Mensch war oder nicht doch irgendeine Art Gott. Auf dem Bild unten sieht es mir eigentlich eher nach so einer Art kommunistischem Buddha aus. Um den Kopf rum war nämlich auch ein Tempel. Ja, das macht wohl Sinn.

Ich frag die Trollmama, ob sie von mir auch mal eine Figur mit goldenen Kranichen drumrum macht. Genau so wie sie der Herr Ho Chi Minh hat. Die finde ich nämlich ausgesprochen hübsch. Eine Stadt namens An Ton sollte es bis dahin ja schon geben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jetzt möchte ich euch einfach noch viele Bilder zeigen, die die Trollmama und ich in diesem Land vom Herrn Ho Chi Minh gemacht haben. Damit ihr euch mal vorstellen könnt, wie schön es hier eigentlich ist. Ach, es ist schön, ein Reisetroll zu sein!

Hier habe ich Spaß mit einem Riesenbambus in Sa Pa.

Und noch mehr Spaß auf der Bootstour zwischen den Waldbergen in Tam Coc bei Ninh Binh.

Die rudern doch tatsächlich mit ihren Füßen!

Auch das war in Tam Coc. Im Schmetterlingsparadies. Wer mich in diesem Bild findet, bekommt einen Schmetterling. Hab ein paar eingepackt, die waren so schön.

Der Buddha hier hat sich in einer Höhle bei Tam Coc versteckt. Ich hab nochmal genau hingeschaut: kein Ho Chi Minh. Auch keine goldenen Kraniche.

Danach habe ich mich auf den Berg über dem Buddha gesetzt. Und mir weitere Waldberge…

… und Reisfelder angeschaut.

Das hier war unser Frühstücksausblick in Tam Coc. In An Ton bekommt jeder so einen Frühstücksausblick von mir. Zumindest, wenn ich goldene Kraniche bekomme.

Ein paar hundert Kilometer weiter im Phong Nha Nationalpark. Ich betrachte den morgendlichen Dschungel (leider wieder ohne goldene Kraniche).

Und Höhlen gabs da auch in Phong Nha. Uiuiuih! Hier die Paradise Cave.

Die war ganz unglaublich groß und ganz unglaublich voller Tropfedinger, die von der Decke hängen.

Nach den Höhlen haben wir noch ein bisschen auf unserem Motorroller die wunderschöne Gegend um Phong Nha angeguckt. Ich bin nämlich jetzt auch ein Rollertroll.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Danach sind wir mit dem Bus weiter nach Hoi An gefahren und haben uns erstmal einen Sonnenuntergang angeguckt.

Wenn die Sonne weg ist, braucht man Laternen. Zumindest in Hoi An.

Und am nächsten Morgen gibts dann eine Kokosnuss am Strand.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Außerdem waren wir in Hoi An beim Schneider und die Trollmama hat sich ein paar Kleider schneidern lassen. Leider hat sie mich dabei vergessen. Ich behalte mein Ringelshirt.

Hab auch wieder das ein oder andere seltsame Tier in Hoi An getroffen. Der hier war sehr freundlich, auch wenn es gerade nicht so aussieht.

Ganz wichtig fürs vietnamesische Wohlgefühl: Vietnamesischer Kaffee aus dem Metallfilter, mit süßer Milch und bei dem Wetter am besten noch mit einer Menge Eiswürfel.

In Saigon wars dann wieder eher vorbei mit dem Wohlgefühl. Wir waren in den Cu Chi Tunneln, da haben sich die vietnamesischen Bewohner vor den amerikanischen Bomben versteckt. Wenn ich Zeit finde, erzähle ich von unserem Besuch dort aber noch ein bisschen mehr. Das war ganz schön traurig da.

Hier bin ich schlussendlich schon in Kam Bod Scha, gerade über der Grenze. Und es gibt: Kaffee mit süßer Milch, jippie!

Na dann schauen wir uns mal dieses neue Land an, in das wir gerade hineingefahren sind. Wenn es wieder hell ist. Ich hoffe, es wird wieder hell. Vielleicht ist es auch einfach ein dunkles Land.

Mal sehen. Ich werde berichten.

An Ton Goldkranich